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Köhler im Gespräch mit Soldaten im deutschen Feldlager in Masar-i-Sharif.
Köhler im Gespräch mit Soldaten im deutschen Feldlager in Masar-i-Sharif.(Foto: dpa)

Köhler in Afghanistan: "Krieg? Ich widerspreche nicht"

Bundespräsident Horst Köhler stattet den deutschen Soldaten in Afghanistan einen Besuch ab. Dazu unterbricht er seinen Rückflug aus China. Der Besuch war vorher nicht angekündigt worden. Köhler ist der erste Bundespräsident seit mehr als 40 Jahren, der Afghanistan besucht. Zuletzt reiste Heinrich Lübke 1967 in das Land am Hindukusch.

Bundespräsident Horst Köhler hat den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan indirekt als Krieg charakterisiert. Nach einem Gespräch mit deutschen Soldaten im Feldlager Masar-i-Scharif sagte er: "Hier, finde ich, fühlen die Soldaten weitgehend, es ist ein Krieg. Und dem werde ich nicht widersprechen." Köhler sagte, er sei durch den Besuch eher ermutigt worden. Er ergänzte: "Die Soldaten, die ich gesprochen habe, halten das nicht für eine 'mission impossible'."

Köhler wurde von seiner Frau Eva Luise Köhler nach Masar begleitet.
Köhler wurde von seiner Frau Eva Luise Köhler nach Masar begleitet.(Foto: dpa)

Köhlers Besuch in Afghanistan war vorher nicht angekündigt worden, auch seine Delegation wurde erst nach dem Start in Shanghai vom Bundespräsidenten selbst informiert. Er wolle mit einem Kurzbesuch den in Afghanistan stationierten Soldaten die Unterstützung des Landes für ihren Einsatz zeigen, sagte Köhler. Man werde also auf dem Weg zurück nach Berlin in wenigen Stunden zum Zwischenstopp in Usbekistan landen - statt wie zunächst offiziell angekündigt zum Nachtanken in Novosibirsk in Russland.

Die Köhler begleitende Wirtschaftsdelegation wurde für einige Stunden auf dem Luftumschlagspunkt der Bundeswehr im usbekischen Termes untergebracht. Auch ein Treffen mit dem Ministerpräsidenten von Usbekistan, Miromanowitsch Mirsijaev, wurde kurzfristig organisiert.

"Einsatz ist richtig und legitim"

Köhler hatte schon länger auf die Gelegenheit zum Truppenbesuch am Hindukusch gewartet. Bei einem Besuch eines Jägerregiments im August 2009 in Letzlingen nördlich von Magdeburg, das sich auf den Einsatz in Afghanistan vorbereitete, hatte er ein Wiedersehen im Einsatzgebiet zugesagt. Die Vorbereitungen zu der gefahrenträchtigen Visite zogen sich dann bei strengster Geheimhaltung aber doch noch fast ein Jahr hin.

Den Soldaten in Masar-i-Scharif sagt Köhler Unterstützung zu: "Ich verspreche Ihnen: Ich werde alles tun, was ich kann, damit in Deutschland gewürdigt wird, was Sie in Afghanistan leisten." Der Einsatz sei "schwierig und gefährlich, aber richtig und legitim". Er drückte den Soldaten seine Hochachtung und seinen Respekt aus. Sie hätten gelobt, tapfer zu dienen: "Genau das tun Sie hier in Afghanistan."

"Gott schütze Sie"

Köhler zeigte sich zufrieden darüber, dass in Deutschland inzwischen intensiv über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan diskutiert werde. Ziel sei es, den Menschen in Afghanistan zur Seite zu sehen, damit sie den Weg zu Frieden, Menschenrechten und Entwicklung künftig selbst gehen könnten. "Gott schütze Sie. Deshalb bin ich hier, um Ihnen das zu sagen", sagte er zum Abschluss seiner Rede unter dem Beifall mehrerer Hundert Soldaten im deutschen Feldlager.

Danach mischte sich der Bundespräsident zum Gespräch unter die Soldaten. Er forderte mit ihm zu reden, als wären sie Kameraden. Das mindeste, was die Politik für die Truppe tun könne, sei jetzt zuzuhören, sagte er.

Quelle: n-tv.de

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