Festnahmen vor KunstaktionKubas Polizei geht gegen Aktivisten vor

Die Künstlerin Tania Bruguera will ihren Landsleuten das Wort erteilen. Bei einer Kundgebung sollen sie ihre Wünsche für das Kuba der Zukunft äußern, doch zu einer richtigen Versammlung kommt es nicht. Die Polizei des Landes greift hart durch.
Vor einer provokanten Kunstaktion in Havanna sind mehrere Dissidenten festgenommen oder unter Hausarrest gestellt worden. Der Dissident Elizardo Sánchez sagte, er wisse von zehn Fällen. Die Bloggerin Yoani Sánchez teilte auf ihrer Internetseite "14ymedio" mit, sie sei zu Hause festgesetzt worden, während ihr Mann Reinaldo Escobar vor dem Haus mit dem befreundeten Dissidenten Eliecer Avila festgenommen worden sei. Die Performancekünstlerin Tania Bruguera, die zu der Kunstaktion aufgerufen hatte, war derweil unauffindbar.
Bruguera hatte ihre Landsleute dazu aufgerufen, auf dem zentralen Revolutionsplatz der Hauptstadt Havanna zum Mikrofon zu greifen, um Wünsche für die Zukunft des Landes zu äußern. Damit wollte die 46-Jährige an ihre Performance während der Biennale 2009 in Havanna anknüpfen, auf der sich Passanten jeweils eine Minute lang vor einem Mikrofon frei äußern konnten.
"Kubanern erlauben, aufzustehen"
"Das Werk wird ein künstlerisches Ereignis sein, das den Kubanern erlauben wird, aufzustehen und selbst darüber zu sprechen, was sie zu Beginn des neuen Jahrs bewegt", schrieb Bruguera in dem über das Internet verbreiteten Aufruf. Ihre Bewegung "Yo tambien exijo" (Auch ich fordere) erklärte, sie habe die Polizei kontaktiert, um den Verbleib von Bruguera zu erfahren.
Rund 20 Dissidenten konnten sich auf dem Revolutionsplatz versammeln. Die kleine Versammlung wurde von zahlreichen Polizisten überwacht. Der Platz vor dem Regierungssitz in Havanna ist der traditionelle Ort für politische Kundgebungen, doch werden dort im Allgemeinen keine unabhängigen Veranstaltungen geduldet.
Die Ankündigung Kubas und der USA vor einigen Tagen, nach einem halben Jahrhundert wieder diplomatische Beziehungen aufzunehmen, hat jedoch die Hoffnung auf Wandel geweckt.