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Samstag, 10. Oktober 2015

"Dieb - Mörder - Erdogan": Kurden protestieren nach Anschlag

Ob in Berlin, Hamburg oder Istanbul: Tausende Menschen gehen auf die Straßen, um nach dem Blutbad in Ankara zu demonstrieren. Ihr Zorn richtet sich besonders gegen einen Politiker.

Nach dem Terroranschlag in der Türkei mit fast 100 Toten sind in deutschen Städten spontan Hunderte Menschen auf die Straße gegangen. Zu prokurdischen Demonstrationen kam es unter anderem in Berlin, Hamburg, Frankfurt/Main und Stuttgart. Die Polizei sprach von einem friedlichen Verlauf der Proteste. In Frankfurt demonstrierten nach Polizeiangaben rund 750 Menschen.

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Der Veranstalter, die Initiative "Freiheit für Öcalan", sprach von bis zu 2000 Teilnehmern. Ursprünglich sollte für die Freilassung des inhaftierten PKK-Führers Abdullah Öcalan demonstriert werden. Nach dem Anschlag in Ankara richtete sich der Protest aber auch "gegen den Terror des türkischen Staates gegenüber den Friedensaktivisten in der Türkei und Kurdistan", wie der Veranstalter mitteilte.

In Hamburg ging der Protestzug vom Hauptbahnhof zum Türkischen Generalkonsulat im Stadtteil Rotherbaum. In Stuttgart zogen rund 700 Menschen nach einer Kundgebung durch die Innenstadt. In Heilbronn nahmen etwa 350 Menschen an einer Demonstration der Kurdischen Gemeinschaft teil. Auch in Mannheim, Freiburg, Karlsruhe, Ulm und Pforzheim wurde demonstriert.

Proteste gegen Erdogan

Auch in der Millionenmetropole Istanbul entbrannten Proteste gegen die Regierung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Rund 10.000Demonstranten versammelten sich in der Innenstadt. Sie machten besonders Präsident Recep Tayyip Erdogan für den Anschlag verantwortlich und skandierten "Dieb - Mörder - Erdogan". In Sprechchören wurde die PKK zu Vergeltungsaktionen aufgefordert. "Rache - PKK", riefen Teilnehmer. Die Polizei begleitete die Proteste mit einem massiven Aufgebot, schritt aber nicht ein.

Weitere Demonstrationen fanden nach Angaben der Nachrichtenagentur Dogan in Diyarbakir, Izmir, Batman, Urfa und Van statt. Bei der Kundgebung im vorwiegend von Kurden bewohnten Diyarbakir kam es zu Ausschreitungen, die Polizei setzte Tränengas ein.

 Zu der Friedenskundgebung in Ankara hatte unter anderem die Kurdenpartei HDP aufgerufen. Deren Ko-Chef Selahattin Demirtas äußerte Zweifel, dass die Regierung von dem Attentat überrascht wurde. Laut HDP richtete sich der Anschlag gegen ihre Mitglieder, die Sprengsätze wurden demnach am Aufmarschplatz der HDP-Delegation bei der geplanten Demonstration gezündet.

Die Regierung geht von zwei Selbstmordattentätern aus. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu verdächtige seinerseits die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die Dischahistenmiliz Islamischer Staat (IS) oder Linksextremisten der DHKP-C, hinter dem Attentat zu stehen.

Bei dem Doppelanschlag auf eine regierungskritische Friedensdemonstration in Ankara sind mindestens 95 Menschen getötet und 246 verletzt worden, wie das Büro von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu mitteilte. 50 von ihnen lagen demnach noch auf der Intensivstation einenes Krankenhauses von Ankara. Die Behörden hatten zuvor von 86 Toten und 186 Verletzten gesprochen. Es war der schwerste Terroranschlag in der jüngeren Geschichte des Landes.

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Quelle: n-tv.de

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