Politik
Wer den herzlichen Gauck erlebt, ist von seiner Prinzipienfestigkeit möglicherweise überrascht.
Wer den herzlichen Gauck erlebt, ist von seiner Prinzipienfestigkeit möglicherweise überrascht.(Foto: dpa)

"Nicht wählbar": Linke ist gegen Gauck

Ein Kandidat mit einem langen DDR-Leben, schlimmer hätte es für die Linke wohl kaum kommen können. Gauck hält mit seinen Erinnerungen gegen nahezu jeden Vorwurf.

Linkspartei-Chef Klaus Ernst hat den Bundespräsidentschaftskandidaten von SPD und Grünen, Joachim Gauck, harsch für seine Äußerungen über die Linken kritisiert. "Es ist für einen Kandidaten äußerst ungewöhnlich, diejenigen zu beschimpfen, deren Stimmen man braucht", sagte Ernst dem "Hamburger Abendblatt". "Gauck hat in den letzten Wochen eindrucksvoll gezeigt, dass er kein Versöhner ist. Wir werden den Kakao, durch den er uns zieht, nicht auch noch trinken," fügte Ernst hinzu. Gauck sei für die Linkspartei "nicht wählbar".

Gauck hatte die Linke auf Bundesebene als regierungsunfähig bezeichnet. Er könne keine Bindung der Linken an das europäische Demokratieprojekt erkennen. Inzwischen konkretisierte er auch seine Haltung zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. "Um es klar zu sagen, ich finde den Einsatz nicht gut, aber erträglich und gerechtfertigt", sagte Gauck der "Saarbrücker Zeitung".

Zweifelhafter Radikalpazifismus

Mehrere Vertreter der Linkspartei hatten zuvor erklärt, Gauck sei auch deshalb nicht wählbar für ihre Partei, weil er den Krieg in Afghanistan unterstütze.

Gauck sagte, es sei schon sehr merkwürdig, dass eine politische Richtung, die Jahrzehnte lang den bewaffneten Befreiungskampf in Afrika und anderswo bejubelt habe, nun einen Radikalpazifismus pflege. "Das ist ein taktischer, aber kein ethischer Pazifismus."

Gauck wies auch den Vorwurf aus der Linken zurück, er habe als Pfarrer zu DDR-Zeiten Privilegien gehabt. "Das ist ein trauriger, ein empörender Umgang mit der Wahrheit." Seine Söhne hätten außer Landes gehen müssen, um die Berufe erlernen zu können, die sie heute ausübten, sagte er. "Wenn jetzt die verwöhnten Kinder der roten Bourgeoisie von einst so über mich urteilen, dann ist dies erbärmlich und hat mit politischer Aufklärung nichts zu tun."

Der frühere DDR-Bürgerrechtler Gauck hatte nach der Wende zehn Jahre lang die Stasi-Unterlagenbehörde geleitet.

Quelle: n-tv.de

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