Freitag, 01. Januar 2010
Bedingung für EU-Beitritt: Litauen schaltet AKW ab
Auf Verlangen der EU hat Litauen sein einziges Atomkraftwerk endgültig abgeschaltet. Der zweite Reaktor des AKW Ignalina im Osten des Landes wurde wie geplant um 23 Uhr Ortszeit heruntergefahren. Für die Bürger bedeutet das eine gehörige Erhöhung des Strompreises.Das 26 Jahre alte AKW hatte 70 Prozent des Stroms in Litauen produziert. Brüssel hatte die Abschaltung der Zentrale, die von der gleichen Bauart wie das Atomkraftwerk in Tschernobyl war, zur Bedingung für den EU-Beitritt des kleinen baltischen Staates im Mai 2004 gemacht. Der erste Reaktor war bereits am 31. Dezember 2004 heruntergefahren worden.
Das 3,3-Millionen-Einwohner-Land muss sich ab Freitag auf einen Anstieg des Strompreises von rund 30 Prozent für Privathaushalte und 20 Prozente für Unternehmen einstellen. Das Aus für das AKW verstärkt die Abhängigkeit der ehemaligen Sowjetrepublik Litauen von russischen Strom- und Gaslieferungen.
Die Beziehungen zwischen Vilnius und Moskau sind durch die einstige sowjetische Besatzung historisch belastet. Litauen ist bis heute nicht an westeuropäische Stromnetze angeschlossen, will sich nun aber an schwedische und polnische Leitungen hängen. Estland und die Ukraine haben zugesichert, ab dem 1. Januar Strom zu liefern.
AFP
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