Dienstag, 20. Juli 2010
Kinderbetreuung: Lockruf für das starke Geschlecht
Familienministerin Schröder möchte den Anteil von männlichen Erziehern in Kindergärten erhöhen - dazu sollen arbeitslose Männer umgeschult werden. Insgesamt wolle sie eine Abkehr von der klassischen Gleichstellungspolitik erreichen. Diese dürfe nicht mehr einseitig auf Frauen und Mädchen ausgerichtet sein.Mit einem bundesweiten Umschulungsprogramm will Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) mehr Männer als Erzieher für Kindertagesstätten gewinnen. Das Programm solle es Männern ermöglichen, sich auch noch in späteren Jahren in einer zweijährigen Ausbildung für den Erzieherberuf umschulen zu lassen. Das Programm solle 2011 starten, sagte Schröder den "Stuttgarter Nachrichten". Laut Schröder wäre es "bereits ein schöner Fortschritt, wenn es an jeder Kita ein oder zwei Männer gäbe".
Viele junge Männer würden den Erzieherberuf gern ergreifen, trauten sich aber nicht, weil er ein "weibliches Image" habe, meint Schröder. Jungen bräuchten aber männliche Vorbilder. Gerade Kinder von Alleinerziehenden träfen meist erst nach der Grundschule in der weiterführenden Schule auf eine männliche Bezugsperson. Dies könne "entwicklungspsychologisch problematisch" sein, so die Ministerin.
Für den geplanten Ausbau der Kinderbetreuung werden nach einer Prognose der Bundesregierung bis 2013 bis zu 40.000 Erzieherinnen und Erzieher zusätzlich benötigt. Bis zu diesem Jahr soll es für 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Kita-Platz geben. 2009 gab es einer Bertelsmann-Studie zufolge Kita-Plätze für gut 20 Prozent der unter Dreijährigen.
Kritik an Unternehmenskultur
Schröder will insgesamt eine Abkehr von der klassischen Gleichstellungspolitik. Diese dürfe nicht mehr einseitig auf Frauen und Mädchen ausgerichtet sein. Vielmehr müssten Jungen aus bildungsfernen Schichten stärker gefördert werden. "Ich konnte nie etwas mit einem Feminismus anfangen, der sich in Gegnerschaft zu den Männern begriff. Der war immer schon problematisch, aber auf jeden Fall sind dessen Zeiten vorbei", sagte Schröder.
Schröder betonte, dass staatliche Programme allein nicht ausreichen würden: Sie habe "keinen großen Glauben an die Allmacht des Staates in der Gleichstellungspolitik". Der Mangel an Frauen in Spitzenjobs liege auch an "einer falschen Unternehmenskultur, am Leitbild des Managers mit mindestens 60 Wochenstunden, der gar keinen Raum für familiäre Verpflichtungen hat".
dpa/AFP
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