Politik
(Foto: picture alliance / dpa)

Weihnachtswünsche an die GroKo: Macht die Städte fahrradfreundlich

Von Isabell Noé

Mit Koalitionen ist es ähnlich wie mit dem Christkind. Selten bekommt man genau das, was man gerne gehabt hätte. Trotzdem versuchen es die Redakteure von n-tv.de und wünschen sich etwas von der Großen Koalition zu Weihnachten. Heute: breite Radwege und Tempo 30 in den Innenstädten.

Als ich am Morgen des 28. November 2012 mein Rad vors Haus schob, sah ich viele Polizisten. Im ersten Augenblick dachte ich an eine Radarkontrolle an der vielbefahrenen Durchfahrtsstraße. Dann sah ich einen Fahrradhelm auf der Straße, einen Rucksack und ein schwer lädiertes Fahrrad, das Licht brannte noch. Gegenüber ein Mazda mit eingedrückter Kühlerhaube, auch das Autodach hatte beim Aufprall Schaden genommen. Der Radfahrer starb wenige Stunden nach dem Unfall, er war 28 Jahre alt. Seine Angehörigen stellen immer noch Kerzen auf an der Kreuzung, an der er ums Leben kam. Die Suche nach Zeugen verlief ergebnislos.

Warum ich das hier schreibe? Weil ich mich nicht damit abfinden will, dass Jahr für Jahr weit über 70.000 Radfahrer auf deutschen Straßen verunglücken. 406 sind dabei im vergangenen Jahr getötet worden. Die Unfallstatistik ist aufschlussreich: Während Auto- und Motorradfahrer zu 85 Prozent außerorts ums Leben kommen, sterben zwei Drittel aller Fußgänger und Radfahrer innerhalb von Ortschaften. Klar, der Großteil von ihnen ist vor allem dort unterwegs. Doch gerade darum müssen sie dort besonders geschützt werden.

Fußgänger kaum geschützt

Müssen Autos wirklich mit 50 km/h - zuzüglich "gefühlter" 10 km/h Toleranz - durch Wohngebiete steuern? Hinter dem Lenkrad mag das nicht schnell erscheinen und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Autofahrer einen Crash mit 50 km/h überlebt, ist ziemlich hoch. Bei Verkehrsteilnehmern ohne Knautschzone sieht das anders aus: Prallt ein Auto mit 50 km/h mit einem Fußgänger zusammen, liegen dessen Überlebenschancen bei gerade einmal 30 Prozent. Bei 30 km/h steigen sie auf 90 Prozent.

Zudem lassen sich Unfälle von vornherein vermeiden, wenn man langsamer fährt: Je schneller Autofahrer sind, desto weiter richten sie ihren Blick in die Ferne. Bei höherer Geschwindigkeit wird das Geschehen rechts und links der Fahrbahn also weniger wahrgenommen. Wer langsamer unterwegs ist, erweitert seinen Blickwinkel und kann schneller reagieren. Und ohne Frage hat er im Ernstfall auch einen deutlich kürzeren Bremsweg.

Tempo 30 innerorts

Mein Wunsch an die neue Regierung: Tempo 30 in den Innenstädten. Keine 30-Zonen "werktags zwischen 22 und 6 Uhr", kein Schilderwald, kein Rätselraten, was wo erlaubt ist. Einfach ein Tempolimit von 30 km/h, durchgängig und  - weitgehend -ohne Ausnahmen. Das wäre ein Traum.

Weil der vermutlich weder unter dieser noch unter den folgenden Regierungen wahr werden wird, würde ich mich für den Anfang auch mit kleineren Wünschen begnügen: Ein vernünftiger Ausbau der Radinfrastruktur - und damit meine ich nicht nur schöne Radfernwege für Tourenradler, sondern auch Fahrradspuren auf den Straßen oder meinetwegen breite, brauchbare und sichere Radwege (bitte aus Asphalt und nicht aus Pflastersteinen oder Betonplatten).

Zu teuer? Wie wäre es für den Anfang mit radfahrerfreundlichen Ampelschaltungen? Mit einem  grünen Pfeil für rechtsabiegende Radler? Und zum Schluss noch eine Bitte: Finger weg von einer Helmpflicht! Nichtmal drüber nachdenken! Sie wäre ein falsches Signal: Ein Helm kann vielleicht Unfallfolgen mildern. Ziel sollte es aber sein, dass Radfahrer gar nicht unter die Räder kommen.

Quelle: n-tv.de

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