Dienstag, 28. Dezember 2010
Stuttgart-21-Gegner fast blind: Mappus soll sich entschuldigen
Sein Bild ging um die Welt: Der bei den Protesten gegen Stuttgart 21 schwer verletzte Rentner wird nahezu blind bleiben. Nur acht Prozent Sehfähigkeit hat er noch auf einem Auge. Von Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Mappus verlangt der 66-Jährige eine Entschuldigung für den Polizeieinsatz.Der bei Protesten gegen das Bahnprojekt "Stuttgart 21" durch einen Wasserwerfer fast erblindete Demonstrant Dietrich Wagner hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus aufgefordert, sich bei den Bürgern zu entschuldigen. Er sei erzürnt über die Staatsgewalt, sagte Wagner dem "Stern".
Der 66-Jährige wies zudem den Vorwurf zurück, Mitverantwortung für seine Verletzung zu tragen. Er habe damit gerechnet, durch den Strahl des Wasserwerfers nass zu werden oder "ein paar blauen Flecken" zu kassieren, "aber nicht, dass ich blind geschossen werde". Ein Polizeivideo hatte Szenen gezeigt, in denen Wagner die Polizei mit einem Gegenstand beworfen und sich mehrfach demonstrativ vor die Wasserwerfer gestellt haben soll.
Das Bild des aus den Augen blutenden Rentners war um die Welt gegangen. Er hatte an der Demonstration gegen "Stuttgart 21" Ende September teilgenommen, bei der es zu einem massiven Polizeieinsatz mit mehr als 100 Verletzten gekommen war. Wagner ist dem Bericht zufolge auf einem Auge blind, auf dem anderen hat er noch eine Sehfähigkeit von acht Prozent.
Er wollte nur helfen
"Meine Autonomie ist weg, ich muss versorgt werden wie ein kleines Kind", sagte Wagner dem Magazin. Er könne nicht mehr wie gewohnt Fahrrad fahren oder lesen, seine Lebensgefährtin helfe ihm beim Rasieren und Anziehen. Wenn er sich Mineralwasser einschenke, "halte ich den Finger ins Glas, so weiß ich, wann es voll ist".
Dem "Stern" hatte der Stuttgart-21-Gegner auch erklärt, wie es zu den schweren Verletzungen kam. Er habe versucht, Jugendlichen während des Einsatzes der Wasserwerfer zu helfen. Denn nachdem die Wasserwerfer gezielt die Demonstranten ins Visier genommen hätten, seien die Protestierenden über Tische und Bierbänke gestolpert und zu Boden gefallen. Er habe sich daraufhin den Polizisten und den Wasserwerfern mit hochgerissenen Armen entgegengestellt, um die Beamten zum Einhalten zu bringen. Doch dann sei er selbst vom Strahl eines Wasserwerfers direkt ins Gesicht getroffen worden und ohnmächtig zu Boden gegangen.
tis/AFP/dpa
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