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Die letzte Grenze ist kaum zu überwinden. Ein afrikanischer Flüchtling scheitert an den massiven Grenzanlagen der spanischen Enklave Melilla.
Die letzte Grenze ist kaum zu überwinden. Ein afrikanischer Flüchtling scheitert an den massiven Grenzanlagen der spanischen Enklave Melilla.(Foto: REUTERS)

Flüchtlinge in Afrika: Marokko soll keine Endstation mehr sein

Der Weg afrikanischer Flüchtlinge nach Europa führt oft über Marokko. Doch die letzte Grenze nach Europa überwinden die wenigsten. Viele Flüchtlinge bleiben und leben dort unter prekären Bedingungen. Das soll sich ändern.

In einem Botschafts- und Villenviertel sitzen sechs Schwarzafrikaner vor einem Eingangstor und warten darauf, gehört zu werden. Nach einer langen Reise aus ihren Dörfern sind sie in der marokkanischen Hauptstadt Rabat gelandet. Sie hatten auf ein besseres Leben gehofft, in Europa. Doch vor dem Gebäude der UN-Organisation für Migration (IOM) enden ihre Träume. Sie sind hier, weil sie zurück in ihre Heimat wollen.

Der 28-jährige Justinien aus Kamerun ist einer von ihnen. "Ich träumte einst von einem Leben in Europa, wo ich eine Familie gründen wollte und die Möglichkeit hätte, meine Verwandten in Kamerun zu unterstützen", sagt er. "Heute träume ich nur noch davon, zurückzukehren. Ich fühle mich krank. Ich möchte wieder ruhig schlafen, ohne mir Sorgen wegen morgen zu machen."

Abschlag vor Elends-Kulisse: In der spanischen Enklave Melilla grenzt ein Golfplatz an den Zaun der EU-Außengrenze.
Abschlag vor Elends-Kulisse: In der spanischen Enklave Melilla grenzt ein Golfplatz an den Zaun der EU-Außengrenze.(Foto: REUTERS)

Migration war für Marokko lange Zeit vor allem ein Sicherheitsthema, zuständig war das Innenministerium. Einwanderer wurden festgenommen und an die Grenze zu Algerien deportiert. Inzwischen bemüht sich das nordafrikanische Land - das ab Donnerstag in Marrakesch Gastgeber eines internationalen Menschenrechtsforums ist - um einen besseren Ruf.

40.000 Gestrandete

Im September 2013 kündigte König Mohammed VI. eine politische Wende an. Er rief die Regierung zu Gesetzesinitiativen auf: zu Einwanderung, Asyl und Menschenhandel. Jetzt liegen einige Gesetze im Parlament. Internationale Organisationen begrüßen das, warten aber noch auf die Umsetzung. Immerhin können sich Einwanderer jetzt schon bei den Behörden melden und eine Aufenthaltserlaubnis beantragen.

Für den Großteil ist Marokko ohnehin nur Transitland. Die meisten Flüchtlinge und Migranten kommen aus Ländern südlich der Sahara - insbesondere aus dem Senegal - oder sind Bürgerkriegen wie in Syrien entflohen. Der Innenminister schätzt ihre Zahl auf derzeit 40.000. Ihr Ziel ist in der Regel Europa. "Reisende der Hoffnung" werden die Gestrandeten in Marokko gelegentlich genannt.

Sie leben in den Wäldern vor den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla, versuchen regelmäßig die hohen Grenzzäune zu überqueren und riskieren dabei ihr Leben. Oder sie sind in den Städten und betteln. Auf den Wegen nach Ceuta - wo nur etwa 20 Kilometer den afrikanischen Kontinent von dem europäischen trennen - sieht man stets wartende Gruppen am Straßenrand.

"Ich habe wieder Hoffnung"

Doch die Grenzanlage ist massiv abgesichert: Stacheldrahtzäune, Infrarotkameras, Bewegungsmelder, Patrouillen der paramilitärischen Guardia Civil. Ceutas Innenstadt ist geprägt von Kathedralen, Plazas, alten Bauten, einer Fußgängerzone, Tapas-Bars und einem Fährhafen mit Verbindungen zum spanischen Festland. Seit Jahresbeginn versuchten 14.000 über die Exklaven nach Spanien zu kommen. 2000 hatten Erfolg.

Die 32-jährige Akossiwa aus Togo kam über Algerien. Sie schaffte es mit vier Kindern zu Fuß nach Marokko, obwohl die Grenze zum Nachbarland dicht ist. Sie zog von Stadt zu Stadt, doch es gelang ihr nicht, sich ein Leben aufzubauen. Nun ist sie in Rabat. Das Rückführungsprogramm der IOM gebe ihr den Mut, in ihre Heimat zurückzukehren. "Ich habe wieder Hoffnung, dort ein ruhiges Leben mit meinen Kindern zu führen", sagt sie. Nach Europa weiter geht es für Akossiwa nicht - sie hat keinen Flüchtlingsstatus und die Grenzen sind für sie unüberwindbar.

Das IOM-Rückkehrprogramm besorgt - wenn nötig - einmalige Aus- und Einreisepapiere und ein Flugticket und hilft auch in der Heimat bei dem Aufbau eines neuen Lebens. In einem Jahr wurden etwa tausend Menschen auf die Art aus Marokko wieder in ihre Ursprungsländer zurückgebracht. Doch dort erwarten sie womöglich neue Sorgen. Denn nicht selten hatte ein ganzes Dorf Geld zusammengelegt, damit einer - oft der Kräftigste - die Reise nach Europa antreten kann. Die Erwartungen sind hoch. Und sie werden von den Rückkehrern bitter enttäuscht.

Quelle: n-tv.de

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