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"Lucke wäre vermutlich auch mit einer 'CDU 2.0' zufrieden", sagt Beatrix Diefenbach
"Lucke wäre vermutlich auch mit einer 'CDU 2.0' zufrieden", sagt Beatrix Diefenbach(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 29. März 2015

AfD-Beisitzerin Diefenbach tritt aus: "Mich störten die Opportunisten"

Was macht man in der AfD, wenn man weder zum rechtskonservativen Flügel gehören noch Parteichef Lucke folgen will? Beatrix Diefenbach ist ausgetreten.

n-tv.de: Was war der Anlass für Sie, nicht nur als Beisitzerin des AfD-Bundesvorstands zurückzutreten, sondern die Partei komplett zu verlassen?

Beatrix Diefenbach war Beisitzerin im Bundesvorstand der AfD.
Beatrix Diefenbach war Beisitzerin im Bundesvorstand der AfD.(Foto: privat)

Beatrix Diefenbach: So ein Parteiaustritt ist immer eine sehr emotionale Sache. Wenn man mit Herzblut dabei ist und mit hohem Anspruch an einer Partei hängt, dann ist man umso frustrierter, wenn Erwartungen immer wieder enttäuscht werden. Dann reicht ein Tropfen, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. So wird's auch bei mir gewesen sein.

Warum war das Fass so voll?

Vor allem haben mich die Opportunisten gestört, die sich strategisch positioniert haben oder positioniert wurden. Zum Teil gehen diese Leute, wie in Hessen, so weit, aus taktischen Gründen Parteifreunde mit perfiden Methoden an der wichtigen Programmarbeit zu hindern. Dazu kommen die polarisierenden Aktionen, die derzeit in der AfD laufen. Bevor ein Vorstand über seine Basis urteilt, sollte er sie kennen und in ihrer Differenziertheit auch wahrnehmen. Das ist im Moment eher weniger der Fall.

Wie sehen Sie die AfD-Basis?

Das sind mehrheitlich ganz normale Leute wie "Sie und ich". Zumindest die Menschen, die ich aus meiner Partei- und Programmarbeit kenne. Die stehen mit beiden Beinen fest im Leben und auf dem Boden unseres Grundgesetzes, sie haben ihre Ziele und Werte. Politisch stehen die in der Mitte, dort, wo die CDU war, bevor sie nach links gerückt ist - ich komme ja selbst aus der CDU. Natürlich gibt es immer auch in einzelnen Punkten unterschiedliche Auffassungen. Und was machen einige daraus? Statt integrierend zu wirken, spalten sie die Partei. Aber die Welt ist nicht schwarz-weiß, und die Mitglieder der AfD sind es auch nicht. Ich kann nicht in einer Partei sein, in der man von oben gezwungen wird, eine bestimmte Position einzunehmen.

Welche Position meinen Sie?

In der AfD ist man zurzeit genötigt, entweder für Lucke zu sein, dann gehört man zu den vermeintlich "Guten". Oder man ist nicht für Lucke, dann steht man aus deren Sicht angeblich so weit rechts, dass man nicht mehr zur bürgerlichen Mitte gehört. Eigentlich sind das sonst die Strategien des politischen Gegners. Ich fürchte, hier soll ein Streit auf die Spitze getrieben werden, um Machtpositionen zu festigen.

Sie meinen, das Ziel ist, den nationalkonservativen Parteiflügel zu schwächen oder aus der Partei zu drängen?

An der Stelle müsste man zuerst den Begriff "nationalkonservativ" präzisieren.

Sie wollen weder zum Lucke-Flügel gehören noch zum nationalkonservativen Flügel mit seiner "Erfurter Resolution"?

Ich habe keine Resolution unterschrieben, weder die Erfurter noch die Deutschland-Resolution, ...

... die vom Lucke-Flügel initiiert wurde.

Ich bin über beide Resolutionen nicht glücklich, ich finde mich in keiner der beiden vollumfänglich wieder, auch weil sie nicht zum Parteifrieden beitragen.

Was stört Sie am Lucke-Kurs?

An Bernd Lucke stört mich, dass er von oben herab regiert. Da geht es vor allem um seine Person, eher weniger um die Mitglieder und das, was ihnen eigentlich wichtig ist. Lucke wäre vermutlich auch mit einer "CDU 2.0" zufrieden. Das ist mir zu wenig. Die AfD-Basis bewegt nicht nur, dass die sogenannte Euro-Rettung ökonomischer Unsinn ist, sondern die damit verbundenen permanenten Rechtsbrüche sind für uns Ausdruck einer tieferen Krise der Demokratie in unserem Land.

Gab es Reaktionen der drei Parteivorsitzenden, von Bernd Lucke, Frauke Petry oder Konrad Adam, auf ihren Rück- und Austritt?

Es gab viele solidarische Rückmeldungen aus der breiten Parteibasis und den Arbeitsgremien, was mich sehr gefreut und in diesem Ausmaß selbst überrascht hat. Alle Vorstandsmitglieder außer Konrad Adam und Verena Brüdigam haben den Rücktritt ausdrücklich bedauert.

Auch Lucke?

Er hat angerufen, und wir haben sachlich unsere Standpunkte ausgetauscht, uns aber nicht im Streit getrennt.

Mit Beatrix Diefenbach sprach Hubertus Volmer

Quelle: n-tv.de

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