Sonntag, 22. November 2009
US-Militär unterstützt Stammesgruppen: Milizen gegen die Taliban
Im Kampf gegen die Taliban setzen die Regierungen in Washington und Kabul nach US-Medienberichten verstärkt auf afghanische Stammesmilizen. Das US-Militär will demnach schon existierende Milizen unterstützen oder bei der Gründung neuer Gruppen helfen.Wie die "New York Times" berichtete, sei in Teilen Afghanistans bereits damit begonnen worden, solche Milizen zu unterstützen, die sich gegen die radikal-islamischen Taliban zur Wehr setzten. "Die Idee ist, die Leute dazu zu bringen, Verantwortung für ihre eigene Sicherheit zu übernehmen", zitiert die Zeitung einen führender Vertreter des US-Militärs in Kabul, der namentlich nicht genannt werden wollte. Vielerorts würde das bereits geschehen.
Wie es weiter hieß, wolle man vor allem im Süden und Osten Afghanistans, der Hochburg der Taliban, schon existierende Milizen unterstützen oder bei der Gründung neuer Gruppen helfen. US-Spezialeinheiten seien bereits in den Gebieten im Einsatz.
Afghanische und amerikanische Regierungsvertreter hätten die Hoffnung geäußert, so Tausende von Bewaffneten zusammenzubringen, die ihre Dörfer gegen die Taliban verteidigen. Diese Anti-Taliban-Milizen könnten auch helfen, den Zeitraum zu überbrücken, bis die afghanischen Sicherheitskräfte ausreichend aufgebaut und ausgebildet seien, selbst für die Sicherheit im Land zu sorgen.
Möglichst klein halten
Um zu verhindern, dass die Milizen zu mächtig werden und es zu neuen Kämpfen um Einfluss und Vormacht kommt, sollen die Gruppen laut den US-Vertretern möglichst klein gehalten werden. Ihre Aufgabe solle sich zudem auf den Schutz ihrer Dörfer und die Bewachung von Kontrollposten beschränken. Keineswegs sollen aus den Milizen Kriegsfürsten des alten Schlags erwachsen oder neue bewaffnete islamistische Gruppen, schreibt die "New York Times" weiter.
Im Irak hatten die USA eine ähnliche Taktik angewandt: Seit Ende 2006 wurden dort sunnitischen Stämme im Kampf gegen islamistische Extremisten unterstützt. Die Zahl der Gewalttaten ging daraufhin deutlich zurück.
Auch Taliban zur Loya Dschirga
Präsident Hamid Karsai erwägt, zu der geplanten Loya Dschirga auch Vertreter radikal-islamischer Gruppen einzuladen. Ein Sprecher Karsais sagte in Kabul, eine Entscheidung über die Teilnehmer werde erst fallen, wenn ein Termin für die "Große Versammlung" feststehe. Der bevorstehende Winter lasse ein baldiges Treffen unwahrscheinlich erscheinen. Karsai wolle die Beratungen von Abgeordneten sowie Chefs der Provinzvertretungen und Stammesältesten noch vor der für Juni geplanten Parlamentswahl ansetzen.
dpa/AFP
Hintergründe zur Nachricht
Bilderserien zur Nachricht
Politik
-
Noch mehr Tote bei Massaker in Hula
UN-Sicherheitsrat tagt
-
Parade in Moskau geplant
Polizei nimmt Homosexuelle fest
-
Entschädigung der Zwangsarbeiter
Seehofer macht Druck
-
Neue Lyrik über Griechenland
Spott ergießt sich über Grass
-
Wieder tote Zivilisten in Afghanistan
Nato-Bomben töten Familie
-
Umstrittenes Atomprogramm
Iran baut zweites AKW
-
Mehr als 30 tote Kinder
Massaker sorgt für Empörung
-
Rückbau der Atomruine dauert 30 Jahre
Abklingbecken sicher vor Beben
-
Anerkennung von Gesundheitsschäden
SED-Opfer warten jahrelang
-
Idealer SS-Mann und blonde Bestie
Aufstieg und Tod des Reinhard Heydrich
-
Deutsche Interessen vernachlässigt?
Steinbrück: Kanzlerin vereinsamt
-
Zustimmung zum Fiskalpakt
Schwarz-Gelb macht Druck