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Mindestens 37 Menschen konnten nicht mehr lebend gerettet werden.
Mindestens 37 Menschen konnten nicht mehr lebend gerettet werden.(Foto: AP)

Bootsunglück vor griechischer Küste: Mindestens 37 Menschen sterben in Ägäis

Das Winterwetter macht die Überfahrt nach Europa auf maroden Schiffen besonders gefährlich. Allein im Januar starben oder verschwanden über 200 Flüchtlinge. Beim jüngsten Unglück kommen vor allem Frauen und Kinder ums Leben.

Bei einem schweren Bootsunglück in der Ägäis sind mindestens 37 Menschen ums Leben gekommen, vor allem Frauen und Kinder. 75 Menschen konnten nach Angaben der türkischen Küstenwache gerettet werden, nachdem ihr Boot am Morgen beim Versuch der Überfahrt von der türkischen Provinz Çanakkale zur griechischen Insel Lesbos kenterte. Unter den Opfern waren zwei Säuglinge.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP befand sich an dem Küstenabschnitt nahe der türkischen Stadt Ayvacik, als dort die Leichen von etwa 20 Opfern des Unglücks lagen. Darunter war ein Baby, dessen Gesicht von einer Mütze bedeckt war. Ein Schnuller lag ganz in der Nähe. Zu sehen war auch ein zweites Baby, das tot aus dem Meer geborgen worden war. Sowohl unter den Opfern als auch unter den Überlebenden bildeten Frauen und Kinder die Mehrheit.

Opfer flüchteten auch aus Myanmar

"Wir sind so traurig", sagte ein Überlebender unter Tränen. "Mindestens 20 unserer Freunde gelten als vermisst." Die meisten der Flüchtlinge kommen aus Syrien und Afghanistan, einige aus Myanmar. Das gekenterte Boot lag 50 Meter vor der türkischen Küste. Rettungswesten und persönliche Habseligkeiten der Ertrunkenen lagen am Strand.

Trotz des Winterwetters begeben sich immer noch jede Woche Tausende Menschen auf die gefährliche Überfahrt in Richtung EU. Erst am Donnerstag waren 24 Flüchtlinge beim Untergang ihres Boots vor der griechischen Insel Samos umgekommen, am Mittwoch ertranken sieben Menschen. In der vergangenen Woche kamen in dem Gebiet 45 Flüchtlinge bei drei Schiffsunglücken ums Leben.

Zwei Klubs der zweiten griechischen Liga erinnerten zu Beginn einer Partie in Larissa am Freitag mit einem Sitzprotest an die vielen ertrunkenen Flüchtlinge. In einer Erklärung des AEL Larissa hieß es zu der zweiminütigen Schweigepause der Spieler, damit werde der "Hunderten von Kindern gedacht, die jeden Tag wegen der abscheulichen Tatenlosigkeit von EU und Türkei ums Leben kommen".

Allein 2016 ertranken mindestens 200 Menschen

Nach UN-Angaben kamen seit Beginn des Jahres mehr als 44.000 Flüchtlinge nach Griechenland, mehr als 200 Menschen starben bei der Überfahrt oder gelten als vermisst. Nach Erhebungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR stammen 84 Prozent der 44.000 Eingetroffenen aus Konfliktgebieten.

Die Türkei hat wegen des Bürgerkriegs in Syrien nach eigenen Angaben rund 2,2 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Hinzu kommen 300.000 Iraker. 2015 entwickelte sich eine starke Wanderungsbewegung aus der Türkei Richtung Nord- und Westeuropa.

Quelle: n-tv.de

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