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Otávio Azevedo wurde in Brasilien zu 18 Jahren Hausarrest verurteilt - und hat in Portugal einen EU-Pass beantragt.
Otávio Azevedo wurde in Brasilien zu 18 Jahren Hausarrest verurteilt - und hat in Portugal einen EU-Pass beantragt.(Foto: REUTERS)
Montag, 18. September 2017

Abkürzung zum EU-Pass für Reiche: Mögliche Geldwäsche mit Portugals Visa

Nicht nur in Zypern werden EU-Pässe unter dem Visa-Deckmantel an wohlhabende Ausländer verkauft. Auch in Portugal kann man mit dem "goldenen Visum", Staatsbürger der EU werden - und gleichzeitig große Geldsummen außer Landes transferieren.

Auch über Portugal haben ausländische Geschäftsleute offenbar einen Weg gefunden, sich eine EU-Staatsbürgerschaft zu beschaffen. Mehrere brasilianische Unternehmer sollen hohe Geldbeträge gezahlt haben, um eine "goldenes Visum" in Portugal zu erhalten. Das berichtet "The Guardian".

Zuvor hatte die Zeitung bereits über russische Oligarchen und reiche syrische Geschäftsmänner berichtet, die sich durch Investitionen in Zypern den EU-Pass haben ausstellen lassen - und das, obwohl sie von den USA sanktioniert wurden. In Portugal muss ein Investor 500.000 Euro in Immobilien investieren, um die "goldene Aufenthaltserlaubnis" zu erhalten. Nach fünf Jahren kann die Erlaubnis dann in eine Staatsbürgerschaft umgewandelt werden. Damit haben die Investoren die Möglichkeit, in der EU zu leben und zu arbeiten.

Diesen Plan verfolgen anscheinend auch mehrere Unternehmer in Brasilien, die in Korruption verwickelt sein sollen. Seit über zwei Jahren sind die Auswirkungen des milliardenschweren Skandals zu spüren. Beteiligt waren neben dem halbstaatlichen Ölkonzern Petrobras auch Politiker und zahlreiche Bauunternehmen. Einer dieser Unternehmer ist Otávio Azevedo, ehemaliger Präsident der Baufirma "Andrade Gutierrez". Nachdem er zugegeben hatte, in Bestechungen rund um den Skandal verwickelt gewesen zu sein, verurteilte ihn das Gericht zu 18 Jahren Haft.

Zwei Jahre vor dem Strafurteil hatte Azevedo eine Immobilie in Lissabon für 1,4 Millionen Euro gekauft und bewarb sich für ein goldenes Visum. Einer seiner Sprecher sagte, er habe noch keine Informationen, ob der Antrag angenommen wurde. Rechtlich spreche nichts gegen eine Zusage und auch die brasilianischen Behörden seien über die Investition informiert.

Vorwurf der Geldwäsche

Die Dokumente, die dem "Guardian" vorliegen, führen auch andere mutmaßlich korrupte Geschäftsleute auf, die sich im Vorfeld des Skandals zwischen 2013 und 2014 ein "goldenes Visum" in Portugal gesichert hatten. Der große Vorwurf an die Visa-Programme europäischer Staaten für dubiose Geschäftsleute liegt auf der Hand: Geldwäsche. So können große Geldbeträge ins Ausland transferiert werden und wären nur noch schwer zurück zu verfolgen.

Bereits 2014 hatten die portugiesischen Behörden elf Personen verhaftet, die ihr Visum mit Bestechungsgeldern finanziert haben sollen. Neue Anträge werden nach einem Evaluierungsprozess, durch Strafregister und Konsultation nationaler und internationaler Datenbanken sowie durch den Informationsaustausch im Rahmen der polizeilichen Zusammenarbeit überprüft, verkündete die Regierung Portugals in einer Stellungnahme.

Nach Angaben der portugiesischen Regierung wurden 66 Prozent der "goldenen Visa" seit 2012 an chinesische Investoren vergeben. Auch hier deutet vieles auf zwielichtige Machenschaften hin: In China ist es illegal, pro Jahr mehr als 50.000 US-Dollar außer Landes zu schaffen.

Quelle: n-tv.de

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