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Muslime werden bis zum Alter von 13 Jahren beschnitten. Das Ritual wird mit einem Familienfest begangen.
Muslime werden bis zum Alter von 13 Jahren beschnitten. Das Ritual wird mit einem Familienfest begangen.(Foto: dpa)

Beschneidungen finden Fürsprecher: Muslime, Juden, Christen einig

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Das Beschneidungsurteil von Köln findet international Beachtung. In Deutschland empören sich Verbände von Juden und Muslimen über die Einschätzung, die Beschneidung von Jungen sei Körperverletzung. Auch Katholiken und Grüne kritisieren die Richter.

Eingriff in die Religionsfreiheit oder Schutz vor Körperverletzung - das Urteil des Kölner Landgerichts gegen die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen hat heftige Kritik von Juden, Muslimen und Katholiken ausgelöst. International berichten etwa die größte Zeitung Israels, Haaretz, und der arabische Nachrichtensender Al Dschasira über das Urteil. Israels Oberrabbiner Jona Metzger warnte vor „weitreichenden Folgen“: „Ich hoffe sehr, nicht zu finsteren Zeiten gelangen, in denen Juden die Brit Mila (Beschneidung) in Kellern vornehmen müssen“, sagte Metzger im israelischen Fernsehen.

Juden beschneiden ihre Söhne schon im Säuglingsalter.
Juden beschneiden ihre Söhne schon im Säuglingsalter.(Foto: dpa)

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland nannte die Entscheidung "einen eklatanten und unzulässigen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften und in das Elternrecht". Die Türkische Gemeinde in Deutschland warnte vor einem "Beschneidungstourismus" in Länder, in denen solche Eingriffe nicht bestraft werden. Nach dem Zentralrat der Juden äußerten auch andere Juden ihr Unverständnis.

Nach Ansicht der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gefährdet das Urteil die Religionsfreiheit der Juden und Muslime in Deutschland. Die Bischofskonferenz kritisierte die Entscheidung als "äußerst befremdlich" und bezeichnete das Verbot als schwerwiegenden Eingriff in die Religionsfreiheit und das Erziehungsrecht der Eltern. "Es ist auch nicht einsichtig, weshalb die Beschneidung dem Interesse des Kindes zuwiderlaufen soll, später selbst über seine Religionszugehörigkeit zu entscheiden", erklärte der für Beziehungen zum Judentum zuständige Bischof Heinrich Mussinghoff.

Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) übte Kritik. Die Religionsfreiheit und das elterliche Erziehungsrecht seien unzureichend gegen das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit abgewogen worden", erklärte der Präsident des Kirchenamtes der EKD, Hans Ulrich Anke. Die Entscheidung bedürfe deshalb der Korrektur, um in Deutschland Rechtssicherheit zu schaffen.

Ist Knabenbeschneidung harmlos?

Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) hält das Urteil für einen "massiver Eingriff in die Religionsfreiheit und in das Elternrecht". KRM-Sprecher Ali Kizilkaya kritisierte vor allem, dass die Entscheidung zu Rechtsunsicherheit führe. Im Koordinationsrat sind die großen muslimischen Verbände in Deutschland zusammengeschlossen. Der baden-württembergische Landesvorsitzende der Religionsgemeinschaft des Islam, Ali Demir, sagte, die Knabenbeschneidung sei "ein harmloser Eingriff" mit einer tausende Jahre alten Tradition und hohem Symbolwert. Außerdem habe die Entfernung der Vorhaut hygienische Vorteile und vermindere die Übertragung von Infektionen.

Das Kölner Gericht hatte einen Arzt, der einen muslimischen Jungen beschnitten hatte, zwar freigesprochen - allerdings mit der Begründung, dass der Mediziner von der Strafbarkeit nichts gewusst habe. Tatsächlich müssten religiöse Beschneidungen als "rechtswidrige Körperverletzung" betrachtet werden, die das Selbstbestimmungsrecht der Kinder verletzten, urteilte das Landgericht.

Grüner: Religionsfreiheit besser schützen

Der Zentralrat der Juden hatte von einem beispiellosen und dramatischen Eingriff in die Rechte der Religionsgemeinschaften gesprochen und den Bundestag aufgefordert, zu handeln. Die Türkische Gemeinde in Deutschland geht davon aus, dass eine höhere Instanz das Urteil korrigiert. Für die Grünen könnte das Urteil Anlass für eine gesetzliche Regelung sein. "Mir scheint diese Rechtsprechung mehr als fragwürdig", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer Volker Beck. "Wir müssen uns darüber Gedanken machen, ob wir die Religionsfreiheit der jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaft besser schützen müssen."

Der Schriftsteller Rafael Seligmann nannte das Urteil lebensfremd. "Da wird ein Prinzip über Pragmatismus und Toleranz gestellt - und zwar auf blödsinnige Weise", sagte der Autor ("Der Musterjude"). "Deutschland macht sich damit international lächerlich". Schließlich würden bei Taufe, Namensgebung oder Religionszugehörigkeit die Neugeborenen auch nicht gefragt.

Für den Philosophen Christoph Türcke von der Universität Leipzig ist der männlichen Beschneidung weder mit medizinischen noch mit juristischen Argumenten beizukommen. "Man muss den magisch-religiösen Kern dieser Praxis erkennen", sagte der Wissenschaftler der "Süddeutschen Zeitung". Das Ritual stehe symbolisch für ein Menschenopfer. "Wenn das überwunden werden soll, dann muss dies aus der Religionsgemeinschaft selbst kommen und kann nicht von außen vorgeschrieben werden" - es sei denn bei der Klitorisbeschneidung junger Mädchen. Die männliche Beschneidung sei dagegen ein meist ungefährlicher Eingriff, sagte Türcke.

Quelle: n-tv.de

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