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Edward Snowden liefert noch immer neue Details.
Edward Snowden liefert noch immer neue Details.(Foto: REUTERS)

Cyberangriffe mit Spähprogrammen: NSA tarnt sich als Facebook

Dass die NSA zahlreiche Angriffe auf Computer in aller Welt unternimmt, ist inzwischen eindeutig. Aber wie der Geheimdienst genau vorgeht, ist noch immer unklar. Offenbar spielen "Man-on-the-side"-Attacken eine wichtige Rolle.

Der US-Geheimdienst NSA hat einem Medienbericht zufolge eine Schadsoftware zur Infiltrierung von Millionen von Computern entwickelt. Mit den eingeschleusten Programmen könne die NSA Daten abgreifen und die Rechner fernsteuern, meldete das Investigativ-Portal "The Intercept", das Enthüllungen des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden verbreitet. Früher hätten die Geheimdienste auf diese Weise nur wenige ausgewählte Computer angezapft. Mit der "Turbine" genannten neuen Technologie könne sich die NSA aber automatisiert in Rechner einklinken, heißt es in dem Artikel.

Die offenbar gemeinsam mit dem britischen Partnerdienst GCHQ erdachte Spionagesoftware gelangt den Angaben zufolge meist über Spam-Mails auf die Computer argloser Nutzer. In einigen Fällen würden die Angriffe auch durch das soziale Netzwerk Facebook laufen. Ein Sprecher von Facebook sagte "The Intercept", das Online-Netzwerk habe keine Beweise für solche Aktivitäten.

Die NSA habe eigene Rechner als Server von Facebook getarnt, berichtete "The Intercept". Melde sich eine Zielperson bei Facebook an, könne sich der Geheimdienst in den Datenstrom einschalten. So könne er seine Spähprogramme, versteckt in einer regulär aussehenden Facebook-Seite, auf dem Rechner der Person platzieren. Die Programme könnten dann beispielsweise Tonaufnahmen und Bildschirmfotos machen. Eine solche Taktik wird als "Man-on-the-side"-Attacke bezeichnet, weil sich ein Angreifer "von der Seite" in den Datenverkehr zwischen zwei Parteien einklinkt. Solche Angriffe würden auch bei Nutzern "terroristischer Webseiten" eingesetzt, hieß es in undatierten Unterlagen, die "The Intercept" veröffentlichte. Den Ausgangspunkt haben die Hackerattacken demnach am NSA-Hauptquartier in Fort Meade sowie an Geheimdienststandorten in Japan und Großbritannien.

Wenige Sekunden reichen

Zur Installation der Schadsoftware benötigt die NSA laut "The Intercept" etwa acht Sekunden. Während der Geheimdienst 2004 den Angaben zufolge nur auf 100 bis 150 Computern Spionagesoftware eingeschleust hatte, stieg die Zahl in den Folgejahren auf mehrere Zehntausend. Mit dem "Turbine"-Programm, das nicht mehr auf menschliche Hacker angewiesen ist, sei nun die Ausweitung auf ein "industrielles Ausmaß" möglich, heißt es.

Die "New York Times" hatte im Januar bereits von einem Spähprogramm mit dem Namen "Quantum" berichtet, bei dem die NSA auch Computer ohne Verbindung zum Internet anzapfen soll. Die NSA habe dazu weltweit Rechner mit Mini-Sendern und Spionagesoftware verwanzt, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Snowden-Dokumente. Die Technologie ermögliche dem Geheimdienst den Zugriff auf besonders geschützte Computer, die vom öffentlichen Internet abgeschnitten sind.

Die NSA kommentierte den Bericht von "The Intercept" zunächst nicht. Seit Juni kamen durch Snowden-Enthüllungen eine Reihe von Spähaktivitäten des US-Geheimdienstes ans Licht. So überwachte die NSA nicht nur massenhaft E-Mails und Telefonate von unbescholtenen Bürgern rund um die Welt, sondern hörte auch Spitzenpolitiker aus befreundeten Staaten ab, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Auf die Empörung aus dem In- und Ausland reagierte Obama mit einer Überprüfung der Geheimdienstarbeit.

Eine unabhängige Kommission legte im Dezember mehr als 40 Reformvorschläge vor, die der Präsident aber nur teilweise umsetzt. In einer Rede Mitte Januar versprach er unter anderem, ein Programm zur Sammlung der Telefonverbindungsdaten von US-Bürgern in seiner jetzigen Form zu beenden. Außerdem sagte er einen stärkeren Schutz der Privatsphäre ausländischer Bürger zu und verbot die Überwachung eng verbündeter Staats- und Regierungschefs. Grundsätzlich hielt Obama aber an den Spähprogrammen der NSA fest.

Quelle: n-tv.de

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