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Unklar ist, wer jemals die Verantwortung für die vielen Opfer übernehmen wird.
Unklar ist, wer jemals die Verantwortung für die vielen Opfer übernehmen wird.(Foto: AP)

Bundeswehr als Letzte in Afghanistan?: Nato-Berater: Krieg ist verloren

Afghanistans Präsident Karsai will das Ende des Nato-Kampfeinsatzes schon 2013 sehen – ein Jahr früher als geplant und obwohl seine Armee noch im Aufbau steckt. Damit erntet er rundum eher kühle Reaktionen. Für Nato-Berater de Wijk ist der Krieg ohnehin verloren. Man müsse nur noch herausfinden, wie man sich zum Sieger erklären könne.

Der niederländische Nato-Berater Rob de Wijk erwartet eine Niederlage des Westens im Afghanistan-Krieg. "Der Krieg ist für das westliche Bündnis verloren. Jetzt geht es nur noch darum, einen Grund dafür zu finden, um sich selbst zum Sieger erklären zu können", sagte de Wijk, Leiter des renommierten Zentrums für Strategische Studien in Den Haag, den "Stuttgarter Nachrichten".

Laut de Wijk gehe es jetzt vor allem darum, mit Berlin bandelt mit Islamabad an für den Abzug des Bündnisses vom Hindukusch zu vereinbaren. Andernfalls befürchtet der Wissenschaftler schwere Nachteile vor allem für die Bundeswehr: "Falls der Abzug nicht über Pakistan möglich ist, wird sich der Rückzug auf den Norden Afghanistans konzentrieren, den die Deutschen verantworten. Die werden dann das Licht für die Allianz in Afghanistan ausmachen."

Afghanistan will Verantwortung übernehmen

Panetta (M) besuchte US-Soldaten in Afghanistan.
Panetta (M) besuchte US-Soldaten in Afghanistan.(Foto: Reuters)

Zuvor hatte eine Nato-Sprecherin bekräftigt, das Bündnis sei weiterhin dazu entschlossen, die Sicherheitsverantwortung "so schnell wie praktisch möglich" komplett an die afghanischen Kräfte zu übergeben. Der genaue Ablauf solle auf dem Nato-Gipfel im Mai in Chicago festgelegt werden.

Für Unruhe hatte der afghanische Präsident Hamid Karsai gesorgt der gefordert hatte, seine Regierung solle schon früher und allein für die Sicherheit in ihrem Land sorgen als vereinbart. Sein Land sei bereit, schon 2013 und nicht erst 2014 die vollständige Sicherheitsverantwortung zu übernehmen, sagte Karsai.

Offenbar kein Kurswechsel

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière sah darin aber keinen Kurswechsel. Karsai fordere "etwas, das ohnehin schon geplant ist". Es sei vorgesehen, bis 2013 die Übergabe der Sicherheitsverantwortung in allen Provinzen abzuschließen. "Teil dieses Übergabeprozesses ist aber auch, dass man danach weitere zwölf bis 18 Monate schaut, ob dieser Übergabeprozess hält." Insofern hätten sowohl die recht, "die sagen, die Übergabe soll 2013 abgeschlossen sein, und die anderen, die sagen, ja aber die Mission geht bis 2014."

Auch die USA relativierten die Forderung Karsais. Ein Sprecher von US-Verteidigungsminister Leon Panetta sagte, die afghanische Seite habe in dem Gespräch keine Änderung an dem bislang vereinbarten Abzugsplan verlangt. Panetta war nach dem Amoklauf eines US-Soldaten vom Sonntag mit 16 toten Zivilisten nach Afghanistan gereist.

Friedensgespräche stocken

Die Aussichten auf Friedensgespräche erlitten derweil einen Rückschlag. Die Taliban unterbrachen die Vorgespräche mit den USA. Der US-Vertreter habe beim jüngsten Treffen Bedingungen gestellt, von denen zuvor nicht die Rede gewesen sei, teilten die Aufständischen mit. Die Taliban hätten sich angesichts der "wechselhaften" Haltung der USA dazu gezwungen gesehen, den Dialog auszusetzen.

Quelle: n-tv.de

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