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Donnerstag, 12. Mai 2016

Russland protestiert: Nato eröffnet neue Abwehrbasis

In Rumänien nimmt die Nato eine Raketenabschuss-Station in Betrieb. Moskau fühlt sich dadurch provoziert. Die USA versuchen zu beschwichtigen: Der Raketenschild sei nicht gegen Russland gerichtet.

Trotz russischer Proteste treibt die Nato den Aufbau ihres Raketenabwehrsystems in Europa voran. In Anwesenheit von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wurde im rumänischen Deveselu die erste von zwei Raketenabschuss-Stationen eingeweiht. Eine zweite Abwehrbasis entsteht im nordpolnischen Redzikowo, nicht weit von der russischen Exklave Kaliningrad entfernt. Offizieller Baubeginn ist am Freitag.

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Außerdem gehören eine Radaranlage in der Türkei und vier in Südspanien stationierte US-Schiffe mit Abwehrraketen zu dem Schutzschild. Die Kommandozentrale liegt in Deutschland - auf dem US-Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein.

"Gefahr für das Gleichgewicht"

Russland kritisierte die Inbetriebnahme der Raketen-Basis in Rumänien als "schädlich und falsch". Die Anlage könne auch Marschflugkörper abfeuern und sei eine Gefahr für das strategische Gleichgewicht, sagte Michail Uljanow vom Außenministerium in Moskau.

Stoltenberg hat versichert, dass das Raketenabwehrsystem des Bündnisses nicht gegen Russland gerichtet sei. "Die Nato-Raketenabwehr untergräbt oder schwächt Russlands nukleare Abschreckung in keiner Weise", sagte er bei der Einweihung in Deveselu. Er bestritt, dass das Nato-System russische Raketen abwehren könne. "Es sind zu wenige Raketen, und sie sind zu weit südlich oder zu nah an Russland stationiert, als dass sie russische Interkontinental-Raketen treffen könnten."

Raketenabschuss außerhalb der Atmosphäre

Das Bündnis baut das Verteidigungssystem bereits seit 2010 auf. Gespräche über eine Einbindung Russlands scheiterten. Die USA sehen das System vor allem als Schutz vor Mittelstreckenraketen aus dem Iran. Die Abwehrstation in Deveselu wurde von den Amerikanern im Alleingang aufgebaut und kostete 800 Millionen US-Dollar (700 Millionen Euro). Auf dem Nato-Gipfel in Warschau im Juli soll sie der Nato unterstellt werden.

Das sogenannte "Aegis"-System kann Mittelstreckenraketen eines Angreifers außerhalb der Erdatmosphäre zerstören. Insgesamt haben die USA weit mehr als eine Milliarde Dollar in die Raketenabwehr investiert. Die Beiträge der Nato-Bündnispartner sind dagegen bisher verschwindend gering. Von Deutschland erhoffen sich die USA die Bereitstellung von Kriegsschiffen mit Radargeräten.

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Quelle: n-tv.de

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