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Russlands Präsident Wladimir Putin.
Russlands Präsident Wladimir Putin.(Foto: REUTERS)

Militärfahrzeuge in der Ukraine gesichtet: Nato wirft Russland Eskalation vor

Russisches Militär ist nach Angaben des Kremls nicht in der Ukraine aktiv. Doch Beobachtungen britischer Journalisten lassen an dieser Aussage zweifeln. Die Bundesregierung verlangt von Moskau, die Berichte aufzuklären.

Die Nato wirft Russland vor, den Konflikt im Nachbarland Ukraine weiter zu eskalieren. Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bestätige Medienberichte, denen zufolge russische Militärfahrzeuge auf ukrainisches Territorium eingedrungen sind.

In der vergangenen Nacht haben wir einen russischen Einfall erlebt, eine Überschreitung der ukrainischen Grenze", sagte Rasmussen. "Dies bestätigt nur die Tatsache, dass wir einen dauernden Fluss von Waffen und Kämpfern aus Russland in die Ostukraine sehen", so Rasmussen weiter. "Und es ist eine deutliche Demonstration der anhaltenden russischen Beteiligung an der Destabilisierung der Ostukraine."

Der für den Grenzschutz zuständige russische Inlandsgeheimdienst FSB wies die Berichte zurück. "Die Grenzverwaltung für das Gebiet Rostow bestätigt diese Informationen nicht", sagte Sprecher Nikolai Sinizyn. An der Grenze seien wegen der Kämpfe mobile Einheiten des FSB unterwegs - sie würden aber nur auf russischem Territorium operieren.

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Die Bundesregierung forderte die russische Regierung auf, die Berichte "dringend" aufzuklären. Moskau müsse alles tun, um den Nachschub für die Separatisten in der Ostukraine zu unterbinden, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Journalisten des "Guardian" und des "Telegraph" haben nach eigenen Angaben in der vergangenen Nacht gesehen, wie Fahrzeuge mit russischen Armeekennzeichen, darunter gepanzerte Truppentransporter und Tanklastwagen, nahe dem russischen Grenzort Donezk auf ukrainisches Territorium vorgedrungen seien. Der Ort liegt etwa 200 Kilometer östlich der gleichnamigen Separatistenhochburg in der Ukraine und 70 Kilometer östlich von Lugansk.

Der Westen wirft Russland vor, die Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen. Russland bestreitet dies, hat aber bestätigt, seine Truppen in der Gegend zur Grenzkontrolle verstärkt zu haben. Journalisten in der Grenzregion beobachteten zahleiche Armee-Fahrzeuge, darunter Transportpanzer.

Der Moskauer Korrespondent des "Telegraph" twitterte, er habe in der Nähe des russischen Hilfskonvois eine "massive Kolonne" gepanzerter Truppentransporter und Lastwagen gesehen. Einige von ihnen seien als "Friedenstruppe" gekennzeichnet. Die Kolonne habe sich in Richtung ukrainische Grenze bewegt.

Russland verfolgt nach Einschätzung eines Sicherheitsexperten möglicherweise die Strategie, die Ostukraine tröpfchenweise zu infiltrieren. Christian Mölling von der Stiftung Wissenschaft und Politik sieht eine "dramatische Situation". Zu den Berichten der britischen Zeitungen sagte er "t-online.de", nach dem gleichen Muster habe Präsident Wladimir Putin die Schwarzmeerhalbinsel Krim annektiert.

Mölling verwies darauf, dass sich nahe der Grenze Zehntausende russische Soldaten in Stellung gebracht hätten. "Das ist das Mutterschiff auf eigenem Territorium, von dem aus zuerst Milizen und dann Soldaten einsickern - in ganz kleinen Gruppen." Mit einem großangelegten, überraschenden Schlag in die Ukraine werde Russland hingegen sicher nicht einrücken.

Quelle: n-tv.de

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