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Mit Geheimdienstmethoden nahmen Rechtsradikale Kontakt zu inhaftierten Neonazis auf.
Mit Geheimdienstmethoden nahmen Rechtsradikale Kontakt zu inhaftierten Neonazis auf.(Foto: picture alliance / dpa)

Hilfsverein für rechtsradikale Gefangene: Netzwerk kontaktierte NSU-Umfeld

Das aufgeflogene rechtsradikale Netzwerk in deutschen Gefängnissen hat Kontakt zum Umfeld des "Nationalsozialistischen Untergrunds" aufgenommen. Mitglieder der Organisation pflegten offenbar schriftlichen Kontakt mit NSU-Kreisen. Die Kommunikation lief auch über Botschaften im Kleinanzeigenteil von Zeitschriften.

Das bundesweit in deutschen Haftanstalten operierende Netzwerk von Rechtsradikalen hat auch Kontakt zum Umfeld der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) aufgenommen. Die Mitglieder des Hilfsvereins für rechtsradikale Gefangene hätten offenbar schriftlichen Kontakt mit NSU-Kreisen gepflegt, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Ermittlerkreise. Dies habe eine Auswertung von Beweismaterial ergeben, das bei Zellendurchsuchungen in hessischen Strafanstalten in den vergangen Wochen sichergestellt worden sei.

Auch mit anderen rechtsextremen Straftätern habe die Organisation regen Kontakt gehabt, berichtet das Blatt. Dabei sei die Kommunikation zwischen den Mitgliedern der Organisation weitgehend über Briefe und versteckte Botschaften im Kleinanzeigenteil scheinbar unverdächtiger Magazine gelaufen. Die Neonazis hätten Codes und Symbole benutzt, die offenbar selbst für Experten nur schwer als rechtsradikal zu erkennen seien. Innerhalb der Haftanstalten baute der Verein den Angaben zufolge streng hierarchische Organisationsstrukturen auf.

Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) kündigte in der "Bild"-Zeitung eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge an. "Wir wollen Fehler von Sicherheitsbehörden im Zusammenhang mit den Straftaten des NSU nicht im Strafvollzug wiederholen." Es sei bekannt, dass rechte Straftäter versuchten, Netzwerke und neue Organisationsstrukturen aus den Vollzugsanstalten heraus aufzubauen. "Das werden wir mit allen dem Rechtsstaat zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern", sagte Hahn.

Dem NSU werden Morde an neun Menschen mit türkischem und griechischem Migrationshintergrund und einer deutschen Polizistin zur Last gelegt. In der kommenden Woche beginnt in München der Prozess gegen das mutmaßliche NSU-Mitglied Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Unterstützer der rechtsextremen Terrorgruppe.

Quelle: n-tv.de

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