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Die gebundene Ausgabe von "Mein Kampf" erscheint als kommentierte Edition.
Die gebundene Ausgabe von "Mein Kampf" erscheint als kommentierte Edition.(Foto: AP)

Hitlers Hetzschrift für 59 Euro: Neuer "Mein Kampf" will Gegenrede sein

In München stellen Historiker nach 70 Jahren die erste Neuauflage von Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" vor: Um die Veröffentlichung war zuvor heftig gestritten worden. Doch als Nazi-Propaganda taugt die kritische Edition im besten Fall ohnehin nicht.

Siebzig Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft haben Historiker die erste deutsche Neuauflage von Adolf Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" vorgestellt. Die fast 2000 Seiten starke kritische Edition sei als eine "Gegenrede zu Hitlers Schrift" zu verstehen, sagte der Leiter des Editionsprojekts am Institut für Zeitgeschichte, Christian Hartmann, in München.

Christian Hartmann.
Christian Hartmann.(Foto: dpa)

Die umfassend kommentierte Neuausgabe könne einem breiten Publikum verdeutlichen, dass es sich bei dem Buch "über weite Strecken um eine aggressive wie ordinäre Hasspredigt handelt", sagte Hartmann weiter. "Dieses Buch war und ist ein Symbol, daran hat sich bis heute nichts geändert."

Die deutsche Neupublikation des Buches war möglich geworden, weil der Urheberschutz Ende 2015 ausgelaufen war. Nach Hitlers Tod waren die Schutzrechte für "Mein Kampf", das bis 1945 rund zwölf Millionen Mal in Deutschland gedruckt worden war, für 70 Jahre auf den Freistaat Bayern übergegangen, der die Zustimmung zu einer Neuauflage stets verweigert hatte.

Zentralrat der Juden begrüßt Neuauflage

Dass "Mein Kampf" nun allenthalben ohne urheberrechtliche Einschränkung publiziert werden könne, habe die kritisch kommentierte Edition geradezu zwingend erforderlich gemacht, sagte der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, Andreas Wirsching. Es wäre schlicht unverantwortlich, "dieses Konvolut der Unmenschlichkeit" kommentarlos zu veröffentlichen, "ohne ihm eine kritische Referenzausgabe entgegenzustellen, die Text und Autor gleichsam in die Schranken weist".

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, begrüßte die Veröffentlichung. "Ich kann mir gut vorstellen, dass diese kritisch kommentierte Auflage einer Aufklärung dient, und dass sie einen gewissen Mythos, der um dieses Buch herrscht, aufzuklären vermag", sagte Schuster dem Radiosender "NDR Info". Sie könne zeigen, mit welchen völlig falschen und skurrilen Theorien und Thesen Hitler gearbeitet habe.

Dass das Buch dazu beiträgt, solche Ansichten in rechtsextremistischen Kreisen zu verbreiten, hält er für möglich. Gerade vor dem Hintergrund von Rechtspopulismus und Erscheinungen wie Pegida sei es aber wichtig, sich mit Hitlers Propaganda auseinanderzusetzen, so Schuster. "Denn einige Dinge, die wir auch heute wieder hören, finden wir auch in diesem Buch."

Derweil haben sich russische Politiker und Menschenrechtler kritisch über die kommentierte Edition geäußert. "Anstelle der Deutschen hätte ich darüber noch einmal nachgedacht", sagte Ex-Sowjetpräsident Michail Gorbatschow der Agentur Interfax. Er verspüre "weder Wunsch noch Notwendigkeit" nach einer Neuausgabe. Der Menschenrechtsbeauftragte des russischen Außenministeriums, Konstantin Dolgow, schrieb bei Twitter: "Eine seltsame Art, gegen die wachsenden neonazistischen Tendenzen in Europa zu kämpfen!"

Quelle: n-tv.de

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