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Eiszeit in Nordkorea: Der Taedong-Fluss in Pjöngjang ist bei winterlichen Extremtemperaturen beinhart zugefroren.
Eiszeit in Nordkorea: Der Taedong-Fluss in Pjöngjang ist bei winterlichen Extremtemperaturen beinhart zugefroren.(Foto: AP)

"Feindlicher Akt": Nordkorea setzt US-Bürger fest

Dieser Fall droht die Beziehungen mit den Vereinigten Staaten massiv zu belasten: Das kommunistische Regime erhebt schwere Vorwürfe gegen einen Studenten aus Arizona. Sicher ist bislang nur: Pjöngjang hält ein neues Faustpfand in Händen.

Kim Jong Un bei einem Besuch des neuen "Museums der Bewegung": Spionage, Sabotage oder "Umsturzpläne" ahndet das Regime in der Regel mit brutalen Haftstrafen.
Kim Jong Un bei einem Besuch des neuen "Museums der Bewegung": Spionage, Sabotage oder "Umsturzpläne" ahndet das Regime in der Regel mit brutalen Haftstrafen.(Foto: REUTERS)

Die Behörden in Nordkorea haben eigenen Angaben zufolge einen US-Bürger festgenommen, der einen nicht näher bestimmten "feindlichen Akt" gegen den kommunistisch regierten Norden der koreanischen Halbinsel geplant oder ausgeführt haben soll.

Der junge Mann sei als Tourist nach Nordkorea eingereist und habe darauf hingearbeitet, die "Einheit des Landes zu zerstören", berichtete die staatlich-nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Nähere Angaben zur Natur des angeblich geplanten Verbrechens legte das Regime in Pjöngjang zunächst nicht vor. Den Namen des Verdächtigen gaben nordkoreanische Staatsmedien mit Otto Frederick Warmbier an.

Ein Reiseveranstalter mit Sitz in China bestätigte auf Anfrage von US-Medien, dass ein Student diesen Namens nach Nordkorea eingereist sei. Warmbier sei mit einer geführten Tour des Unternehmens in Nordkorea unterwegs gewesen, teilte die Firma Young Pioneer Tours mit. Die Festnahme fand demnach bereits am 2. Januar statt.

Die gegen Warmbier gerichteten Vorwürfe wiegen schwer: Der Student sei mit "stillschweigender Duldung der US-Regierung und ihrer Manipulation" gegen Nordkorea vorgegangen, hieß es in einer knappen Mitteilung nordkoreanischer Staatsmedien zur Festnahme. Die vage und teils in sich widersprüchliche Formulierung könnte auf eine Einstufung der Tatvorwürfe als Spionage oder politisch motivierte Sabotage hindeuten. In diesem Fall droht dem jungen Mann im Fall einer Verurteilung in Nordkorea nach geltendem Recht eine langjährige Haftstrafe, womöglich verschärft durch Arbeitseinsatz im Straflager.

"Wir stehen in Kontakt mit Ottos Familie, dem US-Außenministerium und der Botschaft von Schweden in Pjöngjang und tun alles, um seine Freilassung zu erreichen", erklärte der Chef des Reiseveranstalters, Gareth Johnson. Da die USA und Nordkorea seit Beginn des Koreakriegs keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, nimmt die schwedische Botschaft vertretungsweise konsularische Interessen der USA in Nordkorea wahr.

Festgehalten in Nordkorea

Bei dem festgenommenen US-Bürger soll es sich den bisher vorliegenden Angaben zufolge um einen Studenten der University of Arizona (UA) handeln. Name und Alter des Tatverdächtigen wurden nicht genannt. Die Universität unterhält unter anderem auch partnerschaftliche Beziehungen zur Seoul National University (SNU) in der südkoreanischen Hauptstadt.

Mit der Verhaftung des Studenten steigt die Zahl der in Nordkorea inhaftierten Ausländer auf drei, heißt es in einem Bericht der BBC. Ein kanadischer Geistlicher südkoreanischer Abstammung namens Hyeon Soo Lim wurde erst im vergangenen Dezember zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Pastor soll sich an einem Komplott zum Sturz des Regimes beteiligt haben.

Ein weiterer Fall betrifft einen US-Bürger koreanischer Abstammung, bei dem es sich nach Informationen von CNN um Kim Dong Chul handeln soll. Er wurde im vergangenen Herbst verhaftet und muss sich vor einem nordkoreanischen Gericht wegen angeblicher Spionagevorwürfe verantworten. Das Regime in Pjöngjang gestattete dem US-Nachrichtensender CNN erst kürzlich ein Interview mit dem Mann. In dem auf koreanisch geführten Gespräch habe er sich selbst der Spionage bezichtigt, berichtete CNN. Nordkorea hatte in den vergangenen Jahren wiederholt Ausländer wegen "feindseliger Handlungen" oder der Spionage festgehalten.

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Quelle: n-tv.de

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