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Im Viertel Sur der Metropole Diyarbakir gibt es nach den monatelangen Kämpfen starke Zerstörungen.
Im Viertel Sur der Metropole Diyarbakir gibt es nach den monatelangen Kämpfen starke Zerstörungen.(Foto: imago/ZUMA Press)

Davutoglu: Region bald "blitzsauber": Offensive gegen PKK fast abgeschlossen

Seit Dezember geht die türkische Regierung mit einer Großoffensive gegen Kurdenmilizen vor. Nun kündigt Premier Davutoglu an, dass der Einsatz kurz vor dem Ende stehe. Abziehen sollen die Soldaten aber vorerst nicht.

Die türkische Regierung betrachtet ihre Großoffensive gegen Kurdenmilizen im Südosten des Landes nach eigenen Angaben als fast beendet. "Der Prozess ist größtenteils abgeschlossen", sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu laut Medienberichten. Alle Barrikaden seien entfernt, alle Schützengräben zugeschüttet worden, sagte Davutoglu bei einem Besuch in London. Die Region werde bald "blitzsauber" sein.

Doch auch nach dem Einsatz solle durch schärfere Kontrollen in der Region für Sicherheit gesorgt werden. Das Ziel sei der Aufbau einer öffentlichen Ordnung, in der keine illegalen Organisationen mehr die Kontrolle von Straßenzügen übernehmen könnten, sagte Davutoglu der Tageszeitung "Yeni Safak" zufolge. Anders als bei früheren Offensiven gebe es keinen unmittelbaren Rückzug aus der Region.

Vorerst gehen die Auseinandersetzungen jedoch weiter: In der Provinz Sirnak griff nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA die PKK ein Polizeiauto mit Raketen an und tötete zwei Polizisten. In der Kurdenmetropole Diyarbakir sei ein Soldat seinen Schussverletzungen erlegen. Nach Angaben der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP wurden zudem in der Stadt Cizre nahe der irakischen Grenze mindestens zwei Zivilisten getötet. Eines der Opfer sei durch Kopfschüsse getötet worden. Der Mann habe gerade seine Ziegen füttern wollen.

Insgesamt 100 Zivilisten getötet

Polizei und Armee hatten im Dezember einen Großeinsatz gegen Kämpfer der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK gestartet. Dabei wurden den Streitkräften zufolge mehr als 500 Rebellen getötet. Der prokurdischen Partei HDP zufolge kamen zudem rund 100 Zivilisten ums Leben. Immer wieder kam es auch zu tödlichen Anschlägen auf türkische Sicherheitskräfte.

Ein vor zwei Jahren vereinbarter Waffenstillstand zwischen der Regierung und der PKK zerbrach im Juli. Die von der EU und den USA als terroristische Organisation eingestufte PKK kämpft seit drei Jahrzehnten mit Gewalt für Autonomie. Seit 1984 sind durch den Konflikt mehr als 40.000 Menschen ums Leben gekommen.

In Städten kam es zu Gefechten mit der PKK-Jugendorganisation YDG-H. In Silopi, Cizre und dem Viertel Sur der Kurdenmetropole Diyarbakir hatten die Behörden vor mehr als einem Monat Ausgangssperren verhängt, die auf Proteste der Bevölkerung stießen. In Silopi wurden die Verbote nun erstmals gelockert.

Quelle: n-tv.de

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