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Das Gestell des Ovum4Jerusalem findet kein zuhause.
Das Gestell des Ovum4Jerusalem findet kein zuhause.(Foto: Sahm)

Odyssee eines Unerwünschten: Ovum auf Irrfahrt durch Jerusalem

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem

Ein deutscher Künstler will in der Altstadt von Jerusalem ein riesiges Friedensei, gefüllt mit Wünschen und Träumen für die Zukunft, aufstellen. So richtig interessiert an dem "Ovum4Jerusalem" scheint die Stadt nicht zu sein. Das stählernde Monstrum wird seit einigen Jahren durch die Stadt gerollt und erhält hier und dort ein Obdach. 

Armin Kölbli im Kreise seiner jüngsten Fans.
Armin Kölbli im Kreise seiner jüngsten Fans.(Foto: Sahm)

Der Bremer Künstler Armin Kölbli hat schon in Tschernobyl und im Kosovo überdimensionale "Friedenseier" aufgestellt. Die etwa fünf Meter hohen Stahlgestelle werden mit Beton verschalt und mit Friedensbriefen gefüllt, die ihm jeder per E-Mail zuschicken kann, oder die er – wie jetzt getan – in Jerusalemer Schulen im Osten und Westen der Stadt bei jüdischen wie arabischen Schülern persönlich einsammelte.

Die versiegelten Beton-Eier sollen nach Kölblis Plänen erst in hundert Jahren wieder geöffnet werden. Dann solle die Nachwelt erfahren, wie die Menschen sich Frieden damals vorstellten.

So sieht Friedensarbeit auf der Straße aus.
So sieht Friedensarbeit auf der Straße aus.(Foto: Sahm)

Schon vor einigen Jahren hatte die Jerusalemer Stadtplaner Kölbli den Zuschlag erteilt, sein "Ovum4Jerusalem" (Ei für Jerusalem) auf einer Verkehrsinsel vor dem Herodes-Tor der Altstadt aufzustellen. Dies scheiterte an einer Baugenehmigung und Kölbli musste für sein schon fertiges Eier-Gestell einen vorläufigen Abstellplatz finden. Die deutsch-katholische Schmidtschule für arabische Mädchen nahe dem sogenannten "Gartengrab", wo Protestanten das wahre Grab Jesu vermuten, bot dem Ei eine Ecke auf dem Schulhof. Nach einigen Monaten empfand die Schulleitung dann doch, dass das Ei störe.

Pastor Michael Wohlrab erklärte sich bereit, das Gestell neben dem Eingang zur Auguste Victoria Himmelfahrtskirche auf dem Ölberg aufstellen zu lassen. Doch auch diese Zwischenlagerung war auf Dauer nicht akzeptabel. Der Jerusalemer Propst Uwe Gräbe, der für die Auguste Victoria Kirche zuständig ist, soll nach Angaben von Kölbli nach einem "ganz unchristlichen Zornesausbruch" sogar mit Gerichtsverfahren gedroht haben, wenn nicht umgehend das Ovum verschwinde. Bei einem Sturm kippte das Stahlgestell dann auch noch um, was an dem von Kaiser Wilhelm II. entworfenen Kirchengebäude leichte Schäden anrichtete. Auch solle Gefahr für Menschen bestanden haben.

Am Mittwoch fuhr nun ein Lastwagen vor. Unter Mühen wurden der tonnenschwere Betonsockel und das Gestell aufgeladen. Beim Verlassen des bewaldeten Geländes von Auguste Victoria beschädigte das Modell einige Bäume. Neuer Ärger drohte.

Ein Friedenskämpfer an der Basis

Die Wünsche der Erstklässler.
Die Wünsche der Erstklässler.(Foto: Sahm)

Mit dem noch unfertigen Ei auf der Ladefläche des Lastwagens drehte Kölbli nun die Runde durch Jerusalemer Schulen, im arabischen Osten wie im jüdischen Westen. Erstklässler der "Liebe Israel"-Mädchenschule hatten einem Korb voller Friedensbriefe vorbereitet, einige in der Form einer Friedenstaube. Den überreichten sie dem deutschen Künstler. "Möge Friede sein in Israel und kein Krieg mehr. Mögen die Soldaten mit Erfolg den Wehrdienst überstehen und gut wieder vom Krieg zurückkehren", schrieb beispielsweise der Erstklässler David Hillel. In seinem Bild mit Haus schrieb Rarich, auch aus der ersten Klasse: "Es soll keinen Krieg mehr geben."

Weiter geht die Odyssee.
Weiter geht die Odyssee.(Foto: Sahm)

Kölbli war glücklich über die positive Reaktion an den Schulen, aber gleichzeitig verzweifelt: "Ich weiß noch nicht, wo die Fahrt enden wird." Für den Aufbau des Friedens-Eis im Jerusalemer Friedenspark fehlen ihm 8000 Euro. Die will er über eine Stiftung als Spenden eintreiben. Aber bis dahin muss er das Ei erneut zwischenlagern. "Eine Möglichkeit wäre ein bewachter Parkplatz für monatlich 80 Euro. Eine Aufsicht müsse sein, so Kölbli, denn das Gestell ist aus Stahl könnte auch Metalldieben gefallen. "Ich mache hier Friedensarbeit an der Basis und hoffe, dass auch die deutsche Botschaft sich um dieses Projekt kümmert", sagte Kölbli, der mit seinem Riesen-Ei im Häusermeer der Altstadt verschwand.

Quelle: n-tv.de

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