Politik

"Waterbording" im VerhörParteiermittler ertränken Beamten

04.09.2013, 15:42 Uhr
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Yu Qiyi im September 2012. (Foto: AP)

Yu Qiyi wird der Korruption beschuldigt und von der Disziplinarkommission der chinesischen Kommunistischen Partei verhört. Doch weil er die falschen Antworten gibt, wird er immer wieder mit dem Kopf in eine Wanne mit Eiswasser getaucht, bis er stirbt.

Bei einem Verhör wegen Bestechungsvorwürfen haben chinesische Ermittler laut staatlichen Medienberichten einen Beamten ertränkt. Die Ermittler hätten den 42-jährigen Yu Qiyi ausgezogen und seinen Kopf mehrfach in "eiskaltes Wasser" getaucht, nachdem er nicht zufriedenstellend auf ihre Fragen geantwortet habe, berichtete die Zeitung "Beijing Times" unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Sie hätten erst aufgehört, als der Befragte sich nicht mehr gewehrt habe. Der Mann sei ins Krankenhaus gebracht worden und dort gestorben.

Den Angaben zufolge ereignete sich der Vorfall bereits im April in der ostchinesischen Stadt Wenzhou, wo Yu leitender Ingenieur einer Staatsfirma gewesen sei. Er sei seit Anfang März wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten im Zuge einer Landreform inhaftiert gewesen. Bei dem Verhör hätten ihm ein Staatsanwalt sowie fünf Beamte der Disziplinarkommission der Kommunistischen Partei gegenübergestanden.

Die Untersuchung der Leiche ergab laut dem Bericht, dass der 42-Jährige während des sogenannten Waterboardings Wasser in die Lunge bekam, was schließlich zu seinem Tod führte. Angehörige hätten zudem mehrere Prellungen an der Leiche gesehen. Die Witwe sagte der Zeitung, ihr Mann sei während seiner 38 Tage in Haft wahrscheinlich auf verschiedene Weise gefoltert worden. Er sei bei seinem Tod völlig abgemagert gewesen. Ein erster Bericht hatte Ertrinken als Todesursache angegeben. Zudem soll er jedoch zahlreiche innere Verletzungen gehabt haben.

Erst kommen die Parteiermittler

Es ist in China nicht ungewöhnlich, dass Beamte, gegen die Ermittlungen laufen, plötzlich zu Tode kommen. Gegen Korruption in Behörden wird seit der Machtübernahme von Staats- und Parteichef Xi Jinping im März mit besonderer Härte vorgegangen.

Die Disziplinarkommission, die Ableger in Provinzen und Städten hat, ist eine sehr mächtige Einrichtung in China. Bei Ermittlungen gegen ein Parteimitglied kommt sie zuerst zum Zug, noch bevor die Staatsanwaltschaft aktiv wird. Die Parteiermittler dürfen bei schwerwiegendem Verdacht Genossen monatelang festhalten. Was genau bei den Verhören passiert, wird nicht veröffentlich. Oft steht am Ende von Wochen und Monaten bei der Kommission ein Geständnis. Wie es zustande kam, bleibt unklar.

Erst vor zwei Wochen war die Disziplinarkommission ins Gerede gekommen: Der gestürzte Spitzenfunktionär Bo Xilai zog vor Gericht sein Geständnis zurück. Nach Monaten bei der Disziplinarkommission habe er unter enormem psychischen Druck gestanden. Details nannte er laut Gerichtsprotokollen nicht.

Quelle: ntv.de, AFP