Mittwoch, 17. Februar 2010
Klinikärzte schlagen Alarm: Patienten spüren Ärztemangel
Deutschland gehen offenbar die Ärzte aus. Immer mehr Stellen an Krankenhäusern werden nicht nachbesetzt. Zudem sind die Arbeitsbedingungen für Ärzte nicht optimal. Die Mediziner warnen, dass dies bald auch die Patienten zu spüren bekommen werden.Zunehmender Medizinermangel in Krankenhäusern könnte nach Warnungen der Ärzte zu gravierenden Einschnitten für die Patienten führen. Der Chef der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Rudolf Henke, sagte der "Bild"-Zeitung: "Ohne bessere Arbeitsbedingungen wird sich die Zahl unbesetzter Arztstellen von 5000 in den nächsten vier Jahren auf 10.000 verdoppeln." Die Krankenkassen hielten den Ärzten vor, mit übertriebenen Warnungen hohe Honorarforderungen rechtfertigen zu wollen.
Nach einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts konnten im vergangenen Jahr 5000 Arztstellen in Deutschland nicht besetzt werden. Die Zahl beruht auf der Hochrechnung einer Stichprobe. 80 Prozent der rund 2100 Häuser hätten Probleme, offene Stellen zu besetzen - nach 67 Prozent 2008. Während die ostdeutschen Krankenhäuser im Schnitt 6,2 Stellen nicht besetzen konnten, seien es in Westdeutschland 3,6 gewesen. Dagegen haben nur 16 Prozent der Kliniken Probleme mit der Besetzung von Pflegestellen.
Stellen werden nicht neu besetzt
Der Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, sagte: "Die Lösung des Problems der nicht nachbesetzten Arztstellen in den Krankenhäusern ist die zentrale Herausforderung für das deutsche Gesundheitssystem." Henke warnte vor dramatischen Folgen eines weiteren Ärztemangels. "Wir wären dann von einer Versorgungskrise und Wartelisten wie in England nicht mehr weit entfernt. Was früher drei Ärzte gemacht haben, machen heute zwei."
Schlechte Bedingungen in Deutschland
Henke verwies auf die aktuelle Tarifrunde mit den kommunalen Arbeitgebern, in denen der Marburger Bund unter anderem fünf Prozent mehr Geld fordert. Auch mehr Teilzeitangebote und weitere Verbesserungen bei der Attraktivität der Ärzte-Jobs will die Organisation erreichen. Die nächste Verhandlungsrunde ist am 24. und 25. Februar. Baum betonte, der Ärztemangel müsse umfassender angegangen werden. "Das ist mit Sicherheit nicht über höhere Tarifentgelte zu lösen", sagte er. "Notwendig ist vielmehr die Befreiung der Ärzte von nichtärztlichen Tätigkeiten, von überbordender Bürokratie und eine Anhebung der Zulassungen zum Fach Medizin."
dpa
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