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Die Pogida-Gegner hatten sich in zwei Lager geteilt, einem lauten und einem singenden, und von beiden Seiten die Ausländerfeinde eingekeilt.
Die Pogida-Gegner hatten sich in zwei Lager geteilt, einem lauten und einem singenden, und von beiden Seiten die Ausländerfeinde eingekeilt.(Foto: dpa)

"Richtiger Scheißtag für die AfD": Pegida sieht in Potsdam kein Land

Hunderte Polizisten trennen in Potsdam den Pegida-Ableger "Pogida" und seine Gegner. "Merkel muss weg!", rufen die Islamfeinde bevor die Polizei die Versammlung aus "Sicherheitsbedenken" auflöst. Die Ausländerfeinde verlassen unter Pfiffen und Gelächter die Stadt.

Über 1000 Potsdamer haben am Abend eine Kundgebung der islamfeindlichen Pegida-Gruppe "Pogida" verhindert. Ein massives Polizeiaufgebot hatte dafür gesorgt, dass die beiden Gruppen nicht aufeinander trafen. Nach rund eineinhalb Stunden brach die Polizei die Veranstaltung der rund 200 Pogida-Sympathisanten ab, weil sie deren "Sicherheit nicht mehr gewährleisten" konnten.

Unter dem Motto "Potsdam bekennt Farbe" waren die Demonstranten für ein weltoffenes, tolerantes Brandenburg und die Integration von Flüchtlingen eingetreten. Auch Ministerpräsident Dietmar Woidke beteiligte sich an der Demo gegen den Potsdamer Pegida-Ableger. Der SPD-Politiker sagte: "Brandenburg wird es nicht dulden, dass sich auf unseren Marktplätzen Ausländerfeinde und Rechtsextremisten breitmachen. Ich finde es so toll, dass heute Abend so viele Menschen Gesicht zeigen. Potsdam bleibt bunt. Brandenburg braucht alles - nur keine Rechtsextremisten."

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs von der SPD betonte: "Es ist nicht das erste Mal, dass rechte Gruppen nach der Stadt greifen wollen. Wir haben es damals geschafft, dass sie hier nicht Fuß fassen konnten. Und dieses Mal werden wir es auch schaffen."

Gegen Gidiotie und AFDeppen

Nach Schätzung der Polizei versammelten sich etwas später mehr als 200 Pogida-Sympathisanten in Brandenburgs Landeshauptstadt. Sie skandierten "Merkel muss weg!" und "Wir sind das Volk!" Nach der Auflösung der Veranstaltung riefen sie "Wir kommen wieder", was von den Potsdamer Bürgern mit höhnischem Gelächter und Pfiffen beantwortet wurde.

Das Kalkül ging auf.
Das Kalkül ging auf.(Foto: dpa)

Nach Angaben von Reportern hatten die Rechten mangels eigener Stärke Ausländerfeinde aus Hamburg, Dresden, Berlin und Brandenburg nach Potsdam gerufen, um die Pegida-Bewegung auch in der brandenburgischen Landeshauptstadt zu starten. Offenbar ohne Erfolg.

In Twitter-Kommentaren hieß es unter anderem: "Das war ja heute mal ein richtiger Scheißtag für die AfD - und ich findes es super." Oder: "2016 zeigt endlich mal, was gegen Gidiotie und AFDeppen geht." Und: "Potsdam macht Rassisten-Aufmarsch von #pogida wieder zum Desaster. Danke an alle! #nopegidapdm"

Nach der Auflösung der Demonstration hatte die Polizei alle Zufahrtswege zum Potsdamer Hauptbahnhof gesperrt, um nur kleineren Gruppen nach und nach die Abreise vom Bahnhof zu ermöglichen. Das Bahnhofsgebäude und die Gleisanlagen waren ebenfalls von der Polizei kontrolliert worden. Bis zum Abend konnten dadurch Ausschreitungen verhindert werden.

Die Polizei hatte ebenfalls ein Großaufgebot von Beamten aus mehreren Bundesländern in Potsdam zusammengezogen, um Pogida und ihre Gegner voneinander abzuschirmen. Auch Wasserwerfer und Räumfahrzeuge standen bereit, die aber bis zum Abend nicht zum Einsatz kamen.

Auch in Jena haben am Abend laut Polizei 1500 Menschen gegen eine Kundgebung der rechtskonservativen AfD demonstriert. Sie verhinderten damit den ursprünglich geplanten AfD-Demonstrationszug durch Jena. Zu der AfD-Kundgebung kamen nach vorläufigen Zahlen der Polizei rund 750 Menschen - sehr viel weniger, als die Rechtskonservativen bei ihren bisherigen Demonstrationen in Erfurt mobilisieren konnten.

Quelle: n-tv.de

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