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Großeinsatz in der Karlsruher Innenstadt: Die Polizei hat Mühe, Kargida-Anhänger und Gegendemonstranten auseinanderzuhalten.
Großeinsatz in der Karlsruher Innenstadt: Die Polizei hat Mühe, Kargida-Anhänger und Gegendemonstranten auseinanderzuhalten.(Foto: picture alliance / dpa)

Aufruhr in der Innenstadt: Pegida zieht durch Karlsruhe

Es ist die erste Kundgebung ihrer Art in Karlsruhe - und dann gleich das: Am Rande einer Pegida-Demonstration in Baden-Württemberg kommen insgesamt vier Polizeibeamte zu Schaden. Rund 200 Islamkritikern stehen etwa 700 Pegida-Gegnern gegenüber.

Bei einem Aufmarsch der islamkritischen Pegida-Bewegung und ihrer Gegner in Karlsruhe sind vier Polizisten leicht verletzt worden. Die Einsatzkräfte versuchten am Abend, beide Lager mit Schlagstöcken und Pfefferspray zu trennen.

"Konsequent getrennt": Einsatzkräfte der Polizei bilden in Karlsruhe eine Kette, um zu verhindern, dass die beiden Lager aufeinandertreffen.
"Konsequent getrennt": Einsatzkräfte der Polizei bilden in Karlsruhe eine Kette, um zu verhindern, dass die beiden Lager aufeinandertreffen.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Versammlung sei aber "größtenteils friedlich" gewesen, berichtete die Polizei. Unter den Demonstranten gab es den Angaben zufolge keine Verletzten. In der Karlsruher Innenstadt demonstrierten zeitweise etwa 200 Anhänger von Pegida-Karlsruhe mit schwarz-rot-goldenen Fahnen. Zeitgleich versammelten sich unterdessen insgesamt etwa 700 Gegner der Bewegung "Karlsruher gegen die Islamisierung des Abendlands" (Kargida) im Stadtzentrum.

Bei mehreren Veranstaltungen, die vom "Netzwerk gegen Rechts", "Karlsruhe zeigt Flagge", "Vielfalt willkommen heißen" und "Für ein vielfältiges Karlsruhe" angemeldet worden waren, versammelten sich nach Polizeiangaben an verschiedenen Stellen in der Karlsruher Innenstadt jeweils mehrere hundert Personen Personen, um friedlich gegen Fremdenangst und die Pegida-Bewegung insgesamt zu demonstrieren. An den Gegenveranstaltungen hätten jedoch, so heißt es im Polizeibericht, auch "rund 100 Linksautonome" teilgenommen.

Gefährlich aufgeheizte Stimmung

Damit rief gleich die erste Kundgebung der islamkritischen Pegida-Bewegung in Karlsruhe insgesamt deutlich mehr Resonanz bei ihren Gegnern als bei ihren Anhängern hervor. Die Polizei hatte erhebliche Mühe, die beiden Lager auseinanderzuhalten.

Plakat eines Pegida-Anhängers in Karlsruhe: Treffen im Südwesten Deutschlands allgemeine Überfremdungsängste auf prorussische Positionen?
Plakat eines Pegida-Anhängers in Karlsruhe: Treffen im Südwesten Deutschlands allgemeine Überfremdungsängste auf prorussische Positionen?(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Zusammentreffen beider Parteien konnte die Polizei, die sich mit einer Kette von Einsatzkräften zwischen Pegida-Anhänger und Gegendemonstranten gestellt hatte, eigenen Angaben zufolge nur durch den "Einsatz von Hiebwaffen und Pfefferspray" verhindern.

Drei Personen, die durch wiederholte Störungen aufgefallen waren, bekamen einen Platzverweis. Vereinzelt flogen Böller, zwei Beamte erlitten ein Knalltrauma. Zwei Einsatzkräfte wurden laut Polizeibericht leicht verletzt, als sie versuchten, eine Konfrontation zwischen beiden Gruppen zu verhindern. Festgenommen wurde niemand.

"Insgesamt positives Fazit"

"Dank konsequenter Separierung der Pegida-Kundgebung und des daran anschließenden Aufzuges von den bis zu 200 teils gewaltgeneigten Teilnehmern der Gegenveranstaltungen kann die Polizei am Ende dieses Einsatzes ein insgesamt positives Fazit ziehen", erklärte der Einsatzleiter, Polizeivizepräsident Roland Lay.

Insgesamt folgte die Pegida-Premiere in Karlsruhe den aus Städten wie Dresden, Leipzig oder auch Chemnitz bekannten Mustern: Auf Plakaten und Transparenten forderten einzelne Kargida-Anhänger unter anderem "Volksentscheide" gegen das geplante Handelsabkommen TTIP, einen "Stopp" der "Islamisierung Europas" oder auch einen "Dialog mit Russland". Anders als das Original luden die Veranstalter in Karlsruhe allerdings nicht für Montag, sondern erst am Dienstag zu ihrem sogenannten "Abendspaziergang" ein.

Für Karlsruhe ist der Auftritt des Pegida-Ablegers tatsächlich ein Novum: Bislang fand die von Dresden ausgehende Protestbewegung gegen den Islam und die Aufnahme von Flüchtlingen im Südwesten Deutschlands kaum sichtbare Resonanz. In Villingen-Schwenningen hatte es im Januar zwei Pegida-Demonstrationen mit jeweils 50 bis 100 Teilnehmern gegeben.

Quelle: n-tv.de

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