Politik
Erster Wahlgang gewonnen: Keiko Fujimori (r.), auf einem Wahlplakat in Lima.
Erster Wahlgang gewonnen: Keiko Fujimori (r.), auf einem Wahlplakat in Lima.(Foto: Roland Peters)
Montag, 11. April 2016

Keiko siegt bei Präsidentschaftswahl: Peru wählt die Tochter des Diktators

Von Roland Peters

Alberto Fujimori ließ als Staatschef Frauen zwangssterilisieren, schickte Todesschwadronen los und sitzt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Haft. Bei der Präsidentschaftswahl stimmen die meisten Peruaner für seine Tochter Keiko.

Die Umfragen hatten es erahnen lassen: Keiko Fujimori von der Partei "Fuerza Popular" ("Volkskraft") hat den ersten Urnengang der Präsidentschaftswahl in Peru gewonnen. Sie konnte nach Auszählung von 40 Prozent der Stimmen 39,2 Prozent auf sich vereinen. Auf den Plätzen folgen Pedro Pablo Kuczynski (24,3 Prozent) und Verónika Mendoza (16,6 Prozent). In Peru gilt Wahlpflicht, die Beteiligung unter den knapp 23 Millionen Wahlberechtigten lag bei 85 Prozent.

Nun folgt in drei Monaten die Stichwahl zwischen Keiko, wie sie in Peru genannt wird, gegen den 77-jährigen Neoliberalen Kuczynski. Der Ex-Weltbank- und IWF-Mitarbeiter sowie kurzzeitige Ministerpräsident war laut Umfragen schon vor dem ersten Wahlgang der einzige Kandidat, der Chancen hat, im zweiten Wahlgang Keikos Präsidentschaft zu verhindern und selbst die Staatsgeschäfte zu übernehmen.

Nicht wenige hoffen, dass dies geschieht und die 40-Jährige Tochter des Ex-Präsidenten Alberto Fujimori scheitert. Etwa 40 Prozent gaben bei einer Umfrage im März an, unter keinen Umständen Keiko wählen zu wollen. Ihr Vater war von 1990 bis 2000 Staatschef des südamerikanischen Landes, seit 2009 sitzt er wegen Korruption und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gefängnis.

Keiko war im Jahr 2011 schon einmal zur Wahl angetreten. Sie präsentierte sich zu dieser Zeit als Albertos Nachfolgerin, stellte ihn als unschuldig dar und versprach, ihn zu begnadigen. Die Taktik ging nicht auf, Keiko verlor gegen den Linkspolitiker Ollanta Humala, der nun nicht noch einmal antreten darf. Wohl auch deshalb versicherte die Mutter zweier Töchter im aktuellen Wahlkampf ständig, dass sie die demokratischen Regeln und die Menschenrechte respektiere und ihr Amt nicht "zum Nutzen meiner Familie" einsetzen werde.

"Mit Gottes Hilfe erste Präsidentin Perus"

Keiko bei ihrer Wahlkampf-Abschlussveranstaltung vergangene Woche.
Keiko bei ihrer Wahlkampf-Abschlussveranstaltung vergangene Woche.(Foto: AP)

Keiko reiste zudem quer durch das ganze Land, um gegen ihren Ruf als kalte und verschlossene Persönlichkeit anzukämpfen. Sie gibt sich auch auf Plakaten freundlich, mit breitem Lächeln neben den Kandidaten ihrer Partei. Fujimoris Wahlprogramm ist relativ schmal gestrickt: Sie verspricht mehr Polizisten und mehr Gefängnisse, mehr Straßen und Flughäfen und Steuererleichterungen für kleine Betriebe.

Sie sei davon überzeugt, "mit Gottes Hilfe erste Präsidentin Perus" zu werden, rief sie bei ihrer Abschlusskundgebung am vergangenen Donnerstag. Einen Tag zuvor hatten in Limas Zentrum etwa 50.000 Menschen gegen Keikos Kandidatur demonstriert. "Niemals wieder Fujimori", riefen die hauptsächlich jungen Teilnehmer unter anderem. Auch in anderen Städten fanden Demonstrationen gegen Fujimori statt.

Fragwürdige Wahlausschlüsse

Helfen könnte Keiko, dass sich fast die Hälfte der Kandidaten im Vorfeld des Urnengangs am Sonntag zurückgezogen hat oder wegen einer seit Januar geltenden Wahlreform ausgeschlossen wurde. Von anfänglich 19 Bewerbern um das Präsidentenamt waren noch zehn übrig geblieben. Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten, Luis Almagro, hatte deshalb vor "semidemokratischen Wahlen" gewarnt, insbesondere wegen des Ausschlusses zweier aussichtsreicher Kandidaten: Dem linksliberalen früheren Minister Julio Guzmán warf das Oberste Wahlgericht vor, bei seiner Nominierung als Präsidentschaftskandidaten gegen die eigenen Statuten verstoßen zu haben; er lag zuvor an zweiter Stelle hinter Fujimori.

Der zentristische César Acuña soll Geld und Geschenke verteilt haben - was andere Parteien jedoch ebenso praktizieren. Viele Parteien in Peru sind bloße Wahlkampf- und Nominierungsorganisationen ihres jeweiligen Kandidaten. Die Neuerungen im Wahlrecht gelten bei zivilpolitischen Vertretern als ungenügend und zudem interessensgesteuert. "Es gibt kein öffentliches gemeinsames Verständnis, wie Demokratie funktioniert", sagt etwa Ana Vidal vom peruanischen Menschenrechtsdachverband in Lima: "Die meisten Parteien sind bloß Hüllen, ohne Inhalt."

Brutale Vergangenheit

Der Nachname Fujimori steht für eine der dunkelsten Dekaden Perus. In seiner Zeit als Präsident kämpfte Alberto mit allen diktatorischen Mitteln für seine Ziele: Im Kampf gegen die linksgerichtete Guerilla "Leuchtender Pfad" setzte er Todesschwadronen ein und löste das Parlament auf. Zur Geburtenkontrolle ließ er zahllose Frauen zwangssterilisieren.

Die einen hassen ihn deshalb, die anderen sehnen sich nach seiner autoritären Politik der harten Hand, die keine Ungewissheiten kannte. Sie verweisen auf seinen Sieg über die Guerilla sowie seine erfolgreiche Wirtschaftspolitik und glauben, dass sie mit ihren Träumen von einem sichereren und wohlhabenderen Peru am besten bei Fujimoris Tochter aufgehoben sind.

Keiko indes weiß um ihr zwiespältiges Erbe. Transparency International führt das Regime ihres Ex-Vaters auf Platz sieben der korruptesten Regierungen der vergangenen zwei Jahrzehnte, etwa 600 Millionen US-Dollar unterschlug Fujimori demnach. Keikos Mutter Susana Higuchi hatte als erste die Korruption innerhalb der Familie Fujimori angeprangert und war dafür nach eigenen Angaben vom Geheimdienst gefoltert worden. Sie floh aus dem Präsidentenpalast und reichte 1994 die Scheidung ein.

Quelle: n-tv.de

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