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Von 2002 bis 2005 war Struck Bundesverteidigungsminister.
Von 2002 bis 2005 war Struck Bundesverteidigungsminister.(Foto: picture alliance / dpa)

SPD-Politiker stirbt nach Herzinfarkt: Peter Struck ist tot

Er saß fast 30 Jahre im Parlament, war Garant für den Zusammenhalt der großen Koalition und bei den Soldaten als Verteidigungsminister sehr geschätzt. Kurz vor Weihnachten ist der SPD-Politiker Peter Struck in Berlin gestorben. Alle Parteien reagieren tief bestürzt.

Struck saß von 1980 bis 2009 im Bundestag.
Struck saß von 1980 bis 2009 im Bundestag.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Der frühere Verteidigungsminister und SPD-Politiker Peter Struck ist tot. Er starb nach Angaben eines Sprechers der Familie im Alter von 69 Jahren im Berliner Krankenhaus Charité. Dorthin war er am Vortag mit einem schweren Herzinfarkt eingeliefert worden.

Struck war erst in der vergangenen Woche als Vorsitzender der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung wiedergewählt worden. Der langjährige SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag hatte schon vor einigen Jahren einen Herzinfarkt sowie einen Schlaganfall erlitten. Davon hatte er sich wieder weitgehend erholt.

Struck wurde am 24. Januar 1943 in Göttingen geboren. Er studierte Jura, nach der Promotion zum Dr. jur. mit einer Arbeit über Jugenddelinquenz und Alkohol war er in der Hamburger Verwaltung tätig. 1964 trat er in die SPD ein. 1980 wurde er zum ersten Mal in den Bundestag gewählt. Insgesamt saß er 29 Jahre im Parlament. Acht Jahre lang war er Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion. In den Regierungsjahren der SPD von 1998 bis 2009 stand Struck in der vordersten Reihe der Partei. Glatze, Schnauzbart und die Pfeife im Mund wurden zu seinen Markenzeichen.

Der Satz mit dem Hindukusch

Als Rudolf Scharping 2002 aus dem Kabinett ausgeschlossen wurde, stieg Struck vom Fraktionschef zum Verteidigungsminister auf. Aus der anfangs als Überbrückungslösung angelegten Rolle wurden dreieinhalb Jahre, in denen der gelernte Jurist das Herz der Truppe gewann. Legendär blieb seine "Jailhouse-Rock"-Einlage als "Blues Brother" bei einem Truppenbesuch im Kosovo. Um den auch in der rot-grünen Koalition umstrittenen Afghanistan-Einsatz zu rechtfertigen, sagte er Ende 2002: "Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt." Dieser Satz wird bis heute von vielen Politikern zitiert.

In der Großen Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel führte Struck wieder die SPD-Bundestagsfraktion. Legendär ist das "Strucksche Gesetz": Struck erklärte, dass kein Gesetz den Bundestag so verlasse, wie es als Entwurf eingebracht wurde. Damit stellte er die Macht der Abgeordneten gegenüber der Regierung klar. Bis heute berufen sich Parlamentarier immer wieder darauf.

Nach seinem Abschied aus dem Bundestag 2009 übernahm er neue Aufgaben. Zu seinen größeren Herausforderungen danach zählte die Schlichtung im Konflikt um einheitliche Tarifstandards in der Bahnbranche Ende 2010. Eine Paraderolle für Struck. Zu seinen großen Leidenschaften außerhalb der Politik gehörte das Motorradfahren.

"Aufrechter Sozialdemokrat mit Ecken und Kanten"

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Struck als "bedeutenden Parlamentarier und großen Sozialdemokraten". Die Nachricht von seinem Tode erfülle sie mit großer Trauer. "In der Großen Koalition habe ich ihn als einen hart argumentierenden, dabei jedoch stets verlässlichen Partner kennen und schätzen gelernt." Als Verteidigungsminister habe sich Struck hohe fachliche Anerkennung und die Wertschätzung der Soldatinnen und Soldaten erworben. Merkels Mitgefühl gelte seiner Familie.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier sagte: "Wir verlieren nicht nur einen großen Politiker, einen der für viele Menschen im Land ein Vorbild war. Wir verlieren einen Freund, einen engen Weggefährten, einen Mann voller Herzenswärme, Humor und Lebensklugheit". Struck habe auch als Verteidigungsminister bleibende Spuren hinterlassen. "Unter Soldatinnen und Soldaten wird bis heute nur voller Respekt von ihm gesprochen."

Auch der Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi, würdigte Strucks Arbeit: "Über viele Jahre konnte und durfte ich mit Peter Struck zusammenarbeiten. Er war fleißig, engagiert und verlor nie das Gefühl für die Situation der Bevölkerung, für Menschen in Armut." Er habe sich freundschaftlich, kollegial und solidarisch verhalten. Dies sei inzwischen eher eine Rarität in der Politik. "Wir sollten versuchen, ihn mit seiner Lebenslust in Erinnerung zu behalten", sagte Gysi.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder äußerte sich tief betroffen. "Peter Struck ist in der Zeit der großen Koalition zu einem verlässlichen Freund und Wegbegleiter geworden. Er hat sich um unser Land als aufrechter Demokrat verdient gemacht", sagte Kauder mit Blick auf seine enge Zusammenarbeit mit Struck. Als Verteidigungsminister habe Struck die Bundeswehr in schwierigen Zeiten sicher geführt.

Quelle: n-tv.de

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