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Photoshop macht's möglich.
Photoshop macht's möglich.(Foto: Screenshot Khouz News)

Irans Militär träumt: Photoshop lässt Kampfjet fliegen

Von Jan Gänger

Erfolgsmeldungen aus dem Iran stoßen im Westen in der Regel auf eine gehörige Portion Skepsis. Zweifel an den Fähigkeiten eines vermeintlichen Kampfflugzeugs kontert eine iranische Website mit einem angeblichen Fotobeweis. Damit erzielt sie ein gekonntes Eigentor.

Flugzeug oder Attrappe?
Flugzeug oder Attrappe?(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Das nennt man wohl Rohrkrepierer: Um Zweifel an den Fähigkeiten eines angeblichen Kampffliegers zu zerstreuen, veröffentlicht eine iranische Zeitung ein majestätisches Foto. Dummerweise merken iranische Blogger prompt, dass es sich um eine Fälschung handelt.

Schon als Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad jüngst ein neues Kampfflugzeug präsentierte, fiel die Reaktion anders auf als erhofft. Statt sich beeindruckt die Augen zu reiben, kamen westliche Militärexperten zu dem Schluss, dass es sich bei dem Jet keinesfalls um einen schwer vom gegnerischen Radar zu erfassenden Flieger, sondern um eine Attrappe handelt. Und zwar um eine schlechte.

Das Cockpit sei viel zu klein, die Ausstattung viel zu simpel, am ganzen Flieger seien weder Nieten noch Bolzen zu sehen, hieß es unter anderem. Außerdem könne ein Flugzeug dieser Größe niemals ausreichend Platz für die nötige Technik bieten - geschweige denn für die Bewaffnung. Das Ganze sei wohl eine in Plastik geformte Fantasievorstellung.

Diese Vorwürfe wollte die iranische Website Khouz News nicht unwidersprochen lassen und veröffentlichte ein Foto, auf dem das Flugzeug am Damavand vorbeifliegt, einem beeindruckenden Berg im Norden des Landes. Doch damit räumte die staatsnahe Seite, die normalerweise regionale Nachrichten verbreitet, die Zweifel nicht aus. Im Gegenteil.

Vielmehr sorgte das Foto für jede Menge Heiterkeit. Denn der Jet wurde in ein Bergpanorama hineinmontiert - wahrscheinlich mit Photoshop. Das Motiv des Gebirges ist unter anderem deshalb so bekannt, weil es sich auf der Website Pickywallpapers als Bildschirmhintergrund herunterladen lässt. Und genau diese Vorlage hat der unbekannte, patriotische Photoshopper auch verwendet - immerhin hat er sie leicht aufgehellt. Das Flugzeug hat er allerdings nicht verändert. Es sieht genauso aus, wie auf einem offiziellen Foto der Präsentation - die gleichen Reflexionen, die gleiche Perspektive.

Eine Rakete zu viel

Eine Rakete bleibt am Boden.
Eine Rakete bleibt am Boden.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der Iran kommt wegen des Waffenembargos nur schwer an Militärtechnik. Die Luftwaffe besteht nur aus wenigen Dutzend Kampfjets. Dabei handelt es sich entweder um russische Maschinen oder veraltete US-Flugzeuge, die noch vor der iranischen Revolution 1979 angeschafft wurden.

Im Westen stoßen Meldungen aus dem Iran über militärische Fortschritte auf große Skepsis, offenbar aus gutem Grund. So vermeldete Teheran im Sommer 2008 einen erfolgreichen Test neuer Raketen und veröffentlichte flugs ein Foto, auf dem vier Geschosse abgefeuert werden. Wenig später tauchte eine nahezu identische Aufnahme auf. Einziger Unterschied: Darauf starten nur drei Raketen, eine weitere bleibt, wohl wegen technischen Versagens, am Boden. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass auf dem ersten Foto die am Boden stehende Rakete ausradiert und durch eine erfolgreich gestartete ersetzt wurde.

Zwei Beispiele aus jüngerer Zeit: Im Februar erntete der Iran hat mit Fotos von einem angeblich erfolgreich ins All geschickten Affen für Verwunderung und Spott. Blogger wiesen darauf hin, dass das Tier auf den von den iranischen Behörden veröffentlichten Fotos vor dem Raumflug deutlich anders aussieht als nach der Rückkehr aus dem All. Und im November vergangenen Jahres wurde aus einem japanischen Fluggerät eine schicke iranische Drohne.

Quelle: n-tv.de

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