Politik
Matthias Platzeck war bis 2013 Ministerpräsident Brandenburgs. Seit März 2014 ist er Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums.
Matthias Platzeck war bis 2013 Ministerpräsident Brandenburgs. Seit März 2014 ist er Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums.(Foto: picture alliance / dpa)

"Der Klügere gibt auch mal nach": Platzeck wirbt um Verständnis für Putin

Der SPD-Politiker Matthias Platzeck fordert, dass der Westen dem russischen Präsidenten entgegenkommt. Seine Befürchtung: Ein Nachfolger wäre noch schlimmer als Putin.

Der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck, hat gefordert, die Annexion der Krim durch Russland zu legalisieren. "Die Annexion der Krim muss nachträglich völkerrechtlich geregelt werden, so dass sie für alle hinnehmbar ist", sagte Brandenburgs früherer Ministerpräsident.

Es gebe dazu verschiedene Möglichkeiten, sagte Platzeck der "Passauer Neuen Presse". "Dazu gehören finanzielle Leistungen, eine Wiederholung des Referendums unter Kontrolle der OSZE und Weiteres. Das müssen Kiew und Moskau aushandeln."

Auch die von prorussischen Separatisten kontrollierten Regionen in der Ostukraine würden wohl nicht zum ukrainischen Staat zurückkehren. "Es ist momentan kaum vorstellbar, dass Donezk und Luhansk nach allem, was passiert ist, einfach wieder in den ukrainischen Staatsverband zurückkehren."

Der Ex-SPD-Chef fordert den Westen auf, gegenüber Russlands Präsidenten Wladimir Putin nachzugeben. "Der Klügere gibt auch mal nach", sagte Platzeck. "Was käme denn nach Putin, wenn der russische Präsident weg wäre? Sicher kein pro-europäischer Nachfolger, eher ein noch nationalistischerer Präsident. Wenn Russland als zweitgrößte Nuklearmacht der Welt aber politisch instabil würde, hätte das unabsehbare Folgen. Das wäre brandgefährlich!" Sein Fazit: "Wir müssen also eine Lösung finden, bei der Putin nicht als Verlierer vom Feld geht."

"Russland vermisst Ansprache auf Augenhöhe"

Zuvor hatte Platzeck bereits im Deutschlandfunk davor gewarnt, Russland durch die Sanktionen politisch instabil zu machen. Es gebe 84 Nationalitäten in Russland. "Das kann ein völlig instabiles Land werden über die Zeit", sagte er. Auf die Frage, ob er Putin noch vertraue, antwortete Platzeck: "Ich glaube, dass er weiterhin  rational handelt, und man muss ja nichts von dem gut finden, was er tut".

Im ZDF warf Platzeck der Europäischen Union und dem Westen insgesamt vor, Fehler im Umgang mit Russland gemacht zu haben. "Anders als manchmal von anderen dargestellt, glaube ich, vermisst die russische Seite einfach Respekt und Ansprache auf Augenhöhe." Die russische Befürchtung einer "Einkreisung" durch die Nato hätte der Westen mit dem Hinweis beantwortet: "Ihr braucht keine Angst zu haben, wir sind ein Verteidigungsbündnis." So könne man aber mit Ängsten nicht umgehen, sagte Platzeck.

Auch bei den Verhandlungen über das Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Russland habe Brüssel die russischen Einwände erst ernst genommen, als es schon zu spät gewesen sei. 60 Prozent aller in der Ukraine hergestellten Produkte würden nach Russland exportiert, deshalb hätte man "natürlich auch mit den Russen reden" müssen. "Das hätte uns eine Menge Ärger und Sorgen ersparen können."

Quelle: n-tv.de

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