Politik
Demonstration vor der russischen Botschaft in Berlin im Oktober 2007.
Demonstration vor der russischen Botschaft in Berlin im Oktober 2007.(Foto: dapd)

Mord an Anna Politkowskaja: Polizist muss elf Jahre ins Lager

Die tödlichen Schüsse auf die russische Reporterin Anna Politkowskaja sorgen vor sechs Jahren weltweit für Entsetzen. Ein Ex-Polizist hatte dafür die Mordwaffe besorgt - und wird nun dafür verurteilt. Wirklich aufgeklärt ist die Bluttat damit nicht.

Wegen Beihilfe zum Mord an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja 2006 ist einer der Hintermänner zu elf Jahren Straflager verurteilt worden. Die russische Justiz hatte zuvor gegen den Protest von Politkowskajas Familie eine Vereinbarung mit dem geständigen Ex-Polizisten Dmitri Pawljutschenkow getroffen.

Dmitri Pawljutschenkow (r.) mit Anwalt vor Gericht.
Dmitri Pawljutschenkow (r.) mit Anwalt vor Gericht.(Foto: AP)

Danach konnte der frühere Oberstleutnant bei einer Zusammenarbeit mit den Behörden mit einem deutlichen Strafnachlass rechnen. Pawljutschenkow hatte die Waffe besorgt, mit der die Reporterin am 7. Oktober 2006 vor ihrer Wohnung erschossen wurde. Außerdem soll er die Gruppe zusammengestellt haben, die den Mord an Politkowskaja plante, vorbereitete und ausführte.

Auftraggeber weiter unbekannt

Menschenrechtler fürchten, dass die wahren Hintergründe der Bluttat, die international für Entsetzen gesorgt hatte, nie ans Licht kommen. Die preisgekrönte Journalistin der Zeitung "Nowaja Gaseta" hatte sich mit Berichten über schwerste Menschenrechtsverbrechen im früheren Kriegsgebiet Tschetschenien viele Feinde gemacht.

Pawljutschenkow müsse zudem drei Millionen Rubel (etwa 75.000 Euro) Schmerzensgeld zahlen, entschied Richter Alexander Samaschnjuk. Die Hinterbliebenen, die als Nebenkläger aufgetreten waren, kündigten umgehend Berufung an. Sie würden nur die Höchststrafe von 20 Jahren akzeptieren. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft gefordert.

Todesschütze sitzt in Haft

Weitere Tatverdächtige sitzen noch in Untersuchungshaft. Organisator des Verbrechens ist nach Darstellung der russischen Behörden der tschetschenische Geschäftsmann Lom-Ali Gaitukajew. Der angebliche Hintermann sitzt im Zusammenhang mit einem anderen Verbrechen derzeit eine zwölfjährige Gefängnisstrafe ab. In wessen Interesse er den Mord an Politkowskaja in Auftrag gegeben haben soll, ist bis heute unklar.

Im Jahr 2009 wurde der Todesschütze Rustam Machmudow, ein Neffe von Gaitukajew, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Zwei an der Tat beteiligte Brüder Machmudows wurden dagegen freigesprochen. Im Jahr 2010 entschied der oberste russische Gerichtshof, den Prozess gegen die drei Tschetschenen neu aufzurollen.

Der Fall Politkowskaja ist nicht der einzige ungeklärte Mord an einer russischen Journalistin. So gibt es etwa im Fall der 2009 ermordeten Reporterin Natalia Estemirowa trotz Versprechen des Kreml keine Festnahmen.

Quelle: n-tv.de

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