Politik
Viele Puerto-Ricaner wollen einen eigenen US-Bundesstaat. Diese Einwohner schwenken ihre Fahne allerdings dagegen.
Viele Puerto-Ricaner wollen einen eigenen US-Bundesstaat. Diese Einwohner schwenken ihre Fahne allerdings dagegen.(Foto: Reuters)

Ein neuer Stern für die US-Flagge: Puerto Rico will in die USA

Von Christoph Herwartz

Richtig unabhängig war Puerto Rico noch nie. Bei einer Volksabstimmung stimmt nun eine Mehrheit dafür, der 51. Bundestaat der USA zu werden. Von Barack Obama gibt es grundsätzlich Unterstützung, aber noch gibt es auch Hindernisse.

Eine sinkende Arbeitslosigkeit, eine brummende Wirtschaft, bessere Ausbildung und auf einmal entstehen funkelnde Bürotürme inmitten des bislang rückschrittlichen Landes – das ist das Bild, das ein Reuters-Journalist von der Entwicklung Hawaiis nach dessen Beitritt zu den USA beschreibt und das er nun auch Puerto Rico verheißt. Die Karibikinsel hat am Tag der Präsidentschaftswahl über ihre Zukunft abgestimmt. Sollte sich der Status ändern, so sagen es 61 Prozent der Wähler, dann sollte es ein US-Bundesstaat werden.

Mögliche US-Flagge mit 51 Sternen.
Mögliche US-Flagge mit 51 Sternen.

Barack Obama hatte in dieser Frage schon Zustimmung signalisiert und auch Romney räumt Puerto Rico ab – seine Parteifreunde im Kongress müssten einer Aufnahme zustimmen. Der Moment könnte günstig sein für die Karibikinsel. Aber es gibt noch einige Unstimmigkeiten auszuräumen.

Puerto Rico ist schon heute kein vollständig eigenständiger Staat. Die Insel östlich der Dominikanischen Republik gehörte lange zu Spanien und wurde vor über 100 Jahren von den USA besetzt. Seit 1917 gelten die Einwohner als US-Amerikaner. Puerto Rico gehört seitdem zu den USA, ist aber weder Teil eines Bundesstaates noch ein eigener Bundesstaat. Die Puerto-Ricaner zahlen keine Einkommens- und Umsatzsteuern und dürfen nicht wählen. Einzig bei den Vorwahlen der Parteien werden sie berücksichtigt, doch Stimmrechte im Kongress oder bei der Wahl des Präsidenten haben sie nicht.

USA bestehen auf Englisch als Amtssprache

Für viele ist das Grund genug, endlich Bundesstaat zu werden und damit die vollen Bürgerrechte zu genießen. Mehr als die Hälfte der Puerto-Ricaner lebt bereits in anderen Teilen der USA. Dennoch haben viele Angst, ihre kulturelle Identität zu verlieren: Die ethnisch stark durchmischte Bevölkerung spricht zu großen Teilen Spanisch, was auch zweite Amtssprache ist. Washington besteht aber auf Englisch als einziger Amtssprache.

Luis Fortuno verlor am Dienstag sein Amt als Gouverneur, aber seine Position als Beitrittsbefürworter setzte sich durch.
Luis Fortuno verlor am Dienstag sein Amt als Gouverneur, aber seine Position als Beitrittsbefürworter setzte sich durch.(Foto: Reuters)

Wirtschaftlich gibt es gute Argumente für den Beitritt: Die Situation ist, verglichen mit anderen Staaten in Lateinamerika, zwar gut, aber die Einkommen liegen noch weit unter den denen der USA. Die Arbeitslosigkeit ist deutlich über dem US-amerikanischen Durchschnitt. Zusätzliche Bundesmittel täten da gut, angeblich würden es rund 20 Milliarden Dollar pro Jahr sein.

Umfragen ergaben bisher, dass eine Mehrheit darum gerne ein echter Teil der USA wäre und auf den ersten Blick ist das auch das Ergebnis der Volksabstimmung vom Dienstag. Auf die Frage, ob Puerto Rico seinen aktuellen Status beibehalten sollte, stimmten 54 Prozent mit "Nein", also für eine Änderung. Die zweite Frage, wie genau eine Änderung des Status aussehen sollte, beantworteten 61 Prozent damit, dass Puerto Rico US-Staat werden solle.

Gouverneur will autonom bleiben

Antworten sollten auf diese Frage auch die, die eigentlich am Status Quo festhalten wollen. Allerdings ließ mehr als ein Viertel der Wähler die zweite Frage unbeantwortet. Beitrittsgegner spekulieren nun, diese Verweigerer lehnten schon die Frage ab und seien gegen einen Beitritt zur USA. Damit wäre die Mehrheit dahin.

Überhaupt wird es schwierig, das Vorhaben voranzutreiben. Der (ebenfalls am Dienstag) neu gewählte Gouverneur lehnt den Beitritt ab und ist an das Votum der Abstimmung nicht gebunden. Ob die Flagge der USA also wirklich einen weiteren Stern erhält, ist noch nicht klar. 2014 soll es eine Verfassungsversammlung und ein weiteres Referendum geben.

Barack Obama hatte bei seinem Besuch im Jahr 2011 gesagt, er unterstütze den Willen der Puerto-Ricaner, wenn dieser klar artikuliert werde. Davon kann bislang noch nicht die Rede sein.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen