Politik
Wie tickt Kremlchef Wladimir Putin? Diese Frage beschäftigt die Welt seit Längerem.
Wie tickt Kremlchef Wladimir Putin? Diese Frage beschäftigt die Welt seit Längerem.(Foto: imago stock&people)

Geheimes über Russlands "Zaren": Putin - Spätaufsteher und Wasserratte

Wladimir Putin gilt als Macho und Machtmaschine. Nur wenige kennen ihn und wissen, wie der Kreml-Chef wirklich tickt. Erstmals gelangen nun Details zum Tagesablauf des russischen "Zaren" an die Öffentlichkeit.

Das US-Magazin "Newsweek" gibt faszinierende Einblicke in Putins Alltag.
Das US-Magazin "Newsweek" gibt faszinierende Einblicke in Putins Alltag.(Foto: newsweek)

Wladimir Putin markiert gern den starken Mann, zeigt sich im Judo-Dress, auf dem rauen Eishockeyparkett, als Pilot in einem Kampfjet, mit nacktem Oberkörper in der Wildnis, einen Tiger mit dem Betäubungsgewehr niederstreckend oder in sonstigen martialisch-männlichen Posen. Aber wie tickt der "Kreml-Zar" wirklich?

Selbst für seine Mitarbeiter ist er ein Rätsel. Er gilt als Macho und Machtmaschine, gibt sich unnahbar, undurchschaubar. Nun hat das US-Magazin "Newsweek" erstmals faszinierende Einblicke in Putins skurriles Reich veröffentlicht. Drei Jahre sammelte der britische Journalist Ben Judah Informationen über das Leben des russischen "Zaren" und beschreibt nun detailliert den Tagesablauf des russischen Präsidenten, den Arbeitsprozess sowie seine Vorlieben beim Essen und im Sport.

Judahs gesammelten Informationen zufolge ist Putin ein Nachtmensch, am liebsten arbeitet er in den "kalten Stunden". Er steht am späten Vormittag, meistens gegen 11 Uhr, auf und isst in der zweiten Tageshälfte. Das Frühstück ist einfach. Zur Ration gehören unbedingt Hüttenkäse und ein Smoothie. Der Präsident Russlands isst auch Haferbrei, liebt Wachteleier und trinkt Kaffee.

"Sein Essen ist immer frisch. Körbe mit seinen Lieblingslebensmitteln werden ihm regelmäßig von den Ländereien des religiösen Führers Russlands, Patriarch Kyrill, geschickt", schreibt Judah in seinem Artikel. Selbst im Ausland müssen ihm seine Köche Gerichte aus der Heimat zaubern, die Angst vor einer Vergiftung ist einfach zu groß.

Putin hasst den Kreml

Bei einem Showspiel in Sotschi legte Putin einen seiner Macho-Auftritte hin. Mit Helm, Schläger und Trikot in den russischen Nationalfarben zeigte er sich in voller Montur und wurde am Ende zum besten Spieler der Partie gewählt.
Bei einem Showspiel in Sotschi legte Putin einen seiner Macho-Auftritte hin. Mit Helm, Schläger und Trikot in den russischen Nationalfarben zeigte er sich in voller Montur und wurde am Ende zum besten Spieler der Partie gewählt.(Foto: AP)

In der ersten Tageshälfte schwimmt Putin bis zu zwei Stunden lang. Dann stört ihn niemand, aber zu der Zeit warten hochgestellte Beamte bereits darauf, empfangen zu werden. Das Warten zieht sich oft drei, vier Stunden hin. In dieser Zeit ist Putin im Sportraum beschäftigt, wo er parallel Nachrichten hört.

Putin legt großen Wert auf sein Erscheinungsbild. Wenn er auftritt, dann immer wie aus dem Ei gepellt. Er achtet auf seinen Teint und präsentiert gern seinen Körper. Seine Anzüge sind maßgeschneidert. Russlands mächtigster Mann fährt nicht gern in den Kreml. Moskau ist ihm zu laut und zu schmutzig, schreibt der Autor. Stattdessen ziehe es Putin vor, auf seinem Landsitz in Novo-Ogarjowo zu arbeiten. Sein Arbeitsplatz ist ein schwerer Holzschreibtisch. Das Internet ist ihm zu unsicher, deshalb nutzt er nur selten einen Computer. Statt einem Handy vertraut Putin dem guten alten Festnetzanschluss mit russischem Telefon.

Am Sonntag zur Beichte

Laut Judah beginnt Putins Bürotag mit drei dicken, in Leder gebundenen Ordnern, die die Akten des Inlandsgeheimdienstes, des Auslandsgeheimdienstes und seines Mitarbeiterstabs enthalten. Danach folgt die Presseschau. Erst widmet er sich russischen Medien, anschließend folgt die internationale Presse. Putin spricht zwar englisch, arbeitet aber stetig daran, seine Sprachkenntnisse weiter zu verbessern. Deutsche Zeitungen liest er auf Deutsch. Die Sprache beherrscht er, weil er als KGB-Agent fünf Jahre lang in Dresden stationiert war.

Danach folgen Termine im 15-Minuten-Takt: Staatsgäste, Politiker, Bürger. Dabei werden auch immer wieder Fotos gemacht, auf denen Putin meist mit dem gleichen versteinerten Gesichtsausdruck zu sehen ist. Er lächelt kaum, nur wenn er Tiere sieht, erhellt sich seine Miene.

Putins Privatleben ist in der russischen Öffentlichkeit gänzlich tabu. Von seiner Frau Ljudmilla ließ er sich im April nach 31 Jahren Ehe scheiden. Der Präsident liebt Eishockey und versucht, so oft wie möglich selbst zu spielen. Als Lektüre bevorzugt er Bücher zur Geschichte wie "Iwan, der Schreckliche" oder "Peter, der Große". Wie es in dem Artikel weiter heißt, arbeitet Putin auch an den Wochenenden, aber der Ablauf ist wesentlich flexibler. An den Sonntagen geht er zuweilen zur Beichte.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen