Politik

Russland und die Krim: Putin: Waren zur Annexion gezwungen

Untermalt von martialischen Bildern erklärt Russlands Präsident Putin in einer Doku seine Sicht auf die Annexion der Krim. In einem zweiten Ausschnitt, den das Staatsfernsehen zeigt, nennt er seine Gründe für die Aktion - und beruft sich dabei auf die Demoskopie.

Im russischen Fernsehen ist ein zweiter Ausschnitt einer Dokumentation zur Annexion der Krim mit Zitaten des russischen Präsidenten Wladimir Putin ausgestrahlt worden. Darin begründete der Staatschef die Militäraktion mit der Verantwortung seines Landes für die ethnischen Russen auf der ukrainischen Halbinsel. "Wir waren gezwungen, die Arbeit an der Rückholung der Krim zu Russland zu beginnen, weil wir dieses Gebiet und seine Einwohner nicht ihrem Schicksal, von Nationalisten erdrückt zu werden, überlassen konnten", sagte Putin.

Mit dem Begriff "Nationalisten" bezog sich Putin auf die neue ukrainische Staatsführung nach dem Sturz des prorussischen Staatschefs Viktor Janukowitsch. Die proeuropäischen Kräfte seien bei dem Machtwechsel im Februar 2014 von westlichen Staaten "tausende Kilometer entfernt" unterstützt worden. "Nicht wir haben einen Staatsstreich begangen, sondern Nationalisten und Leute mit extremen Ansichten, die unterstützt wurden", sagte Putin. "Aber wir sind hier, dies ist unser Land."

In der Dokumentation "Die Krim - Die Rückkehr nach Hause" ist Putin bei einem Interview in seinem Büro zu sehen. Zwischendurch werden Bilder von Kampfhubschraubern und Panzern gezeigt. Einen Sendetermin nannte der Staatssender Rossija 1 bislang nicht. Im ersten Ausschnitt gab Putin zu, die Annexion der Krim noch vor dem umstrittenen Referendum über deren Staatszugehörigkeit angeordnet zu haben. "Wir müssen beginnen, die Krim zurück nach Russland zu holen", sagte er nach eigenen Angaben in der Nacht zum 23. Februar 2014 zu seinem Stab.

Putin beruft sich auf Umfragen

Vier Tage später übernahm eine schwer bewaffnete Kommandoeinheit die Kontrolle über das Regionalparlament der Krim. Die Parlamentarier stimmten daraufhin in einer kurzfristig angesetzten Sitzung für ein Referendum über die Angliederung an Russland. Trotz Hinweisen, dass es sich bei Truppen ohne Hoheitskennzeichen auf der Krim um russische Soldaten handelte, bestritt Moskau zunächst eine direkte Beteiligung. Nach dem Referendum wurde die Krim am 18. März von Russland offiziell annektiert. Später gab Putin zu, Truppen auf der Krim eingesetzt zu haben.

In dem neuen Dokumentationsausschnitt sagte Putin nun, Russland habe zunächst in einer Meinungsumfrage herausgefunden, dass 75 Prozent der Bewohner der Krim für einen Beitritt zu Russland seien. Die Entscheidung zur Annexion sei erst später angesichts der Ereignisse in Kiew gefallen. Ihm sei klar geworden, dass bei einer tatsächlichen Aussicht auf eine Annexion die Zahl derer, "die sich dieses historische Ereignis wünschen", noch steigen werde, sagte Putin.

Wenn die Menschen auf der Krim sich für mehr Unabhängigkeit "innerhalb der Ukraine" ausgesprochen hätten, hätte er auch dies akzeptiert, sagte der russische Staatschef. "Es war nicht das endgültige Ziel, die Krim in Besitz zu nehmen." Er habe vielmehr den Menschen die Möglichkeit geben wollen, "ihre Meinung zu äußern, wie sie künftig leben wollen", sagte Putin. "Wir kennen die Ergebnisse des Referendums - und wir haben gehandelt, wie wir handeln mussten."

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Quelle: n-tv.de

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