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Auf Kriegskurs? Putin droht am Telefon mit der Einnahme Kiews.
Auf Kriegskurs? Putin droht am Telefon mit der Einnahme Kiews.(Foto: imago stock&people)

Telefonat mit Barroso: Putin droht EU-Chef mit Kiew-Übernahme

In der Ostukraine tobt der Krieg. Während die Lage dort immer kritischer wird, gießt Kreml-Chef Putin erneut Öl ins Feuer. In einem Telefonat soll er EU-Kommissionspräsident Barroso gewarnt haben: "Wenn ich will, nehme ich Kiew in zwei Wochen ein."

Der Konflikt im Osten der Ukraine droht sich zunehmend zu einer direkten militärischen Konfrontation zwischen der Ukraine und Russland zu wandeln. Nach heftigen Kämpfen, an denen der Führung aus Kiew zufolge auch ein russisches Panzerbataillon beteiligt war, haben die Streitkräfte den wichtigen Flughafen Luhansk aufgegeben.

Während die Lage immer kritischer wird, blickt die Welt gespannt auf Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Doch der macht keine Anstalten, um zu einer Beruhigung der Lage beizutragen. Stattdessen befeuert der Kremlchef die Sorgen um den Ukraine-Konflikt mit einer Äußerung. Einem Bericht der italienischen Zeitung "La Repubblica" zufolge soll Putin dem scheidenden EU-Chef Jose Manuel Barroso mit folgendem Satz gedroht haben: "Wenn ich will, nehme ich Kiew in zwei Wochen". Laut "La Repubblica" habe Putin  damit deutlich machen wollen, dass man ihn nicht mit der Ankündigung der EU, die Sanktionen gegen Russland zu verstärken, provozieren könne.

Zwischen der Ukraine und Russland ist nach den Worten des ukrainischen Verteidigungsministers Waleri Geletej ein "großer Krieg" ausgebrochen, in dem Zehntausende Tote zu befürchten sind. "Ein großer Krieg hat unsere Türschwelle erreicht, wie ihn Europa seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen hat", schrieb Geletej auf seiner Facebook-Seite. "Unglücklicherweise werden die Verluste in solch einem Krieg nicht in Hunderten, sondern in Tausenden und Zehntausenden zu bemessen sein."

Separatisten fordern Sonderstatus

Die prorussischen Separatisten pochen indes beim Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe auf einen Sonderstatus für die Ostukraine. Bei einem vierstündigen Gespräch in der weißrussischen Hauptstadt Minsk tauschten die Konfliktparteien Positionspapiere aus. Diese sollten geprüft werden, die Gespräche könnten an diesem Freitag fortgesetzt werden, sagte Separatistenführer Andrej Purgin russischen Agenturen zufolge. Kremlchef Wladimir Putin sprach im Vorfeld vom Beginn "wichtiger direkter Verhandlungen".

Die Aufständischen wollten bisher einen unabhängigen Staat "Noworossija" (Neurussland). Sie stellten in einem vor dem Treffen bekannt gewordenen Positionspapier mit neun Punkten Bedingungen an Kiew: Sie fordern unter anderem ein Ende des ukrainischen Militäreinsatzes, einen Waffenstillstand und die Freilassung aller Gefangenen. Zu den Details des Papiers äußerte sich Purgin nicht. Russland und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) vermitteln in der Kontaktgruppe zwischen der ukrainischen Seite und den Aufständischen.

Poroschenko: offene Aggression gegen Ukraine

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sprach von einer "direkten und offenen Aggression des Nachbarstaates gegen die Ukraine". Die ukrainische Armee hatte angesichts der Blitzoffensive der Separatisten in den vergangenen Tagen zahlreiche Stellungen aufgeben müssen.

Laut einer russischen Menschenrechtsorganisation sollen in den vergangenen zwei Monaten bis zu 15.000 russische Soldaten in die Ukraine geschickt worden sein. Mehrere hundert von ihnen seien bereits gefallen, sagte die Präsidentin des Komitees russischer Soldatenmütter, Valentina Melnikowa.

Moskau hat bislang alle Vorwürfe einer Militärintervention zurückgewiesen. Allerdings waren vergangene Woche zehn russische Fallschirmjäger auf ukrainischem Territorium festgenommen worden. Am Montag dementierte Russland erneut ein militärisches Eingreifen. "Es wird keine Militärintervention geben", betonte Außenminister Sergej Lawrow.

Quelle: n-tv.de

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