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Beratungen im russischen Sicherheitsrat: Wladimir Putin spricht von "Krisenmomenten".
Beratungen im russischen Sicherheitsrat: Wladimir Putin spricht von "Krisenmomenten".(Foto: REUTERS)

Russland hadert: Putin unkt über Ölpreis-Verschwörung

Der starke Abwärtstrend beim Öl trifft die russische Staatskasse an empfindlicher Stelle. Im Gespräch mit Medienvertretern aus China deutet der Kremlchef einen schwerwiegenden Verdacht an. Er sieht politische Kräfte wirken.

Russlands Präsident Wladimir Putin sieht hinter dem für sein Land schädlichen Ölpreis-Rückgang gezielte politische Einflussnahme. In einem vorab veröffentlichten Interview mit chinesischen Medien machte Putin zwar kein bestimmtes Land dafür verantwortlich.

Putin betonte aber, dass es neben der weltweiten Konjunkturabkühlung politische Gründe für den Rutsch des Ölpreises gebe. "In manchen Krisenmomenten wächst der Eindruck, dass die Politik bei der Preisgestaltung für Energieressourcen die führende Rolle spielt", sagte Putin. Wie genau eine solche Einflussnahme aussehen könnte, führte der Kremlchef nicht aus.

Der Preis für russisches Öl ist seit Ende Juni um rund ein Viertel gefallen - weitgehend parallel zu den Preisen für die übrigen Ölsorten am Weltmarkt. Für Moskau bedeutet das eine zusätzliche Schwächung für den Staatshaushalt und die russische Wirtschaft. Ohnehin muss Russland derzeit die westlichen Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise verkraften.

Saudi-amerikanisches Komplott?

Vor diesem Hintergrund schießen die Spekulationen ins Kraut. In manchen russischen Medien sprechen Kommentatoren von einem saudisch-amerikanischen Komplott gegen die Führung in Moskau. Während politische Weisungen für Ölkonzerne in westlichen Staaten mehr als unwahrscheinlich erscheinen, könnte das Königshaus in Saudi-Arabien den Weltmarktpreis über eine Ausweitung der Fördermengen tatsächlich beeinflussen - allerdings nur in sehr engen Grenzen.

Im Gespräch mit den Medienvertretern aus China unterstrich Putin vor diesem Hintergrund die wachsende Bedeutung Asiens als Handelspartner für Russland. Der russische Präsident reist kommende Woche zum Gipfel der asiatisch-pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) nach Peking. Kurzfristig dürften neue Handelsbeziehungen wenig an den wirtschaftlichen Problemen Russland ändern. In den vergangenen beiden Jahrzehnten hatten Kritiker der russischen Wirtschaftspolitik wiederholt auf die einseitige Ausrichtung auf den Rohstoffsektor hingewiesen.

Der Ölpreis als Waffe?

International gilt die lahmende Weltwirtschaft als Haupteinflussfaktor in der Preisentwicklung der Energierohstoffe. Am Ölmarkt hatten die Notierungen am Donnerstag nach einer kurzen Unterbrechung ihre Talfahrt wieder aufgenommen. Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 1,6 Prozent auf 77,42 Dollar. Befürchtungen, dass die Ölförderung in Saudi-Arabien und Libyen beeinträchtigt sein könnte, haben sich als unbegründet erwiesen, hieß es aus dem Handel.

Zuvor hatten Marktbeobachter die vorübergehend gestützten Preise mit den schwächer als erwartet gestiegenen Rohöllagerbeständen in den USA erklärt. In den Vereinigten Staaten - dem mit Abstand wichtigsten Ölverbraucherland - waren die Bestände von Rohöl laut Daten vom Mittwochnachmittag in der vergangenen Woche schwächer als erwartet gestiegen. Zudem sind die Bestände an Benzin und Destillaten in der vergangenen Woche gefallen. Es sei eine wachsende Nachfrage aus den Raffinerien zu beobachten, sagten Händler.

Als stärkster Preisfaktor am Weltmarkt gilt nach wie vor die wirtschaftliche Entwicklung in den Verbraucherstaaten. Zieht dort die Konjunktur an, steigt auch die Nachfrage - und damit der Ölpreis.

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Quelle: n-tv.de

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