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Die Rebellen werfen der Regierung die Nichteinhaltung eines Friedensabkommens vor.
Die Rebellen werfen der Regierung die Nichteinhaltung eines Friedensabkommens vor.(Foto: AP)

Unruhen in Bangui, Präsident geflohen: Rebellen erobern Hauptstadt

In dem seit vergangenen Dezember schwelenden Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik erzielen die Seleka-Rebellen durch die Einnahme der Hauptstadt Bangui einen entscheidenden Fortschritt. Präsident Bozizé ist flüchtig, sein Aufenthaltsort unbekannt.

Präsident Bozizé ist seit 2003 im Amt.
Präsident Bozizé ist seit 2003 im Amt.(Foto: AP)

In der Zentralafrikanischen Republik haben die Rebellen der Seleka-Koalition die Hauptstadt Bangui unter ihre Kontrolle gebracht. "Es ist sicher, dass sie die Stadt eingenommen haben", sagte ein Sprecher des Präsidenten. Er hoffe außerdem, dass es nicht zu Vergeltungsaktionen komme. Augenzeugen berichteten von zahlreichen Plünderungen in Bangui. Am Sonntagmorgen erklärten die Rebellen zunächst, den Präsidentenpalast eingenommen zu haben. Staatschef François Bozizé hielt sich demnach nicht in dem Gebäude auf. Das französische Außenministerium bestätigte, dass der Präsident aus der Hauptstaft geflohen sei.

Bozizé sei in die Demokratische Republik Kongo geflohen, erklärte ein Sprecher der Seleka-Miliz. Der kongolesische Außenminister, Basile Ikouebe, hingegen sagte, dass dieser dort nicht angekommen sei. "Weder der Präsident noch ich wurden über seine Ankunft auf kongolesischem Boden informiert", so Ikouebe.

Frankreich rief die Rebellen nach ihrem Vorstoß zum Dialog mit der Regierung auf. Die Allparteienregierung Zentralafrikas sei das Ergebnis des Friedensabkommens von Libreville vom 11. Januar, erklärte Staatspräsident François Hollande. In dem Abkommen Anfang des Jahres hatten sich Vertreter des Präsidenten Bozizé und der Rebellenallianz Séléka in der Hauptstadt Gabuns unter anderem auf einen Waffenstillstand sowie die Bildung einer Übergangsregierung geeinigt. Hollande rief die bewaffneten Gruppen auf, die Bevölkerung zu achten. Paris hat in dem Land 250 Soldaten stationiert. 300 weitere Soldaten sollen am Wochenende zur Verstärkung nach Bangui entsandt worden sein, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf militärische Führungskreise mitteilte. In der Zentralafrikanischen Republik leben 1250 Franzosen.

Rebellen seit Februar an Regierung beteiligt

Bereits Anfang Februar hatten ehemalige Rebellen und Oppositionspolitiker wichtige Posten in einer neuen Allparteienregierung Zentralafrikas übernommen. Unter der Auflage, dass er ausgewählten Gefangenen Amnestie gewährt und ihre Kämpfer in die staatliche Armee integriert werden, stimmten die Rebellen einem Verbleib Bozizés im Amt bis 2016 zu. Nachdem die Regierung nach Ansicht der Seleka-Koalition diesen Auflagen nicht nachgekommen war, entführten sie fünf Mitglieder der neuen Einheitsregierung, die ursprünglich auf Seiten der Rebellen standen. Sie forderten eine vollständige Umsetzung des Mitte Januar in der Hauptstadt Gabuns getroffenen Abkommens über einen Waffenstillstand sowie die Bildung einer Übergangsregierung in Zentralafrika. Dieses sah Neuwahlen binnen zwölf Monaten vor.

Zuvor hatte sich die Seleka-Koalition vergangenen Dezember im Norden des Landes gegen die Regierung erhoben, um die Erfüllung mehrerer Friedensabkommen der vergangenen Jahre durchzusetzen. Frankreich, die USA und die Zentralafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft hatten daraufhin Truppen in das Land geschickt, die Staatsangehörige dieser Länder schützen und die Regierung Bozizé stützen sollten. Auch die UN haben Friedenstruppen in dem Land stationiert, die bei der Ausbildung der Armee helfen sollen. Bei den Kämpfen um die Hauptstadt kamen nun offenbar sechs südafrikanische Soldaten dieses Kontingents ums Leben. Die UN bereiteten daraufhin den Abzug der Truppe vor.

Bozizé putschte sich 2003 an die Macht und wurde seitdem zweimal bei Wahlen im Amt bestätigt. Dennoch gelang es der Regierung nicht, ihre Position zu festigen. Immer wieder kam es zu Aufständen und kriegerischen Auseinandersetzungen, die Bozizé 2007 mit einem Friedensabkommen einzudämmen versuchte. Den Bruch der Auflagen dieses Abkommens werfen ihm die Seleka-Rebellen nun vor.

Die seit 1960 von Frankreich unabhängige Zentralafrikanische Republik liegt in einer der politisch instabilsten Regionen der Welt, umgeben von Krisenstaaten wie dem Sudan, dem Tschad oder der Demokratischen Republik Kongo. Es wird auch vermutet, dass sich der ugandische Rebellenführer Joseph Kony irgendwo in den Wäldern des Staates nahe des Äquators versteckt hält. Trotz reicher Rohstoffvorkommen an Diamanten, Gold und Uran gehört das Land nach wie vor zu den ärmsten Staaten der Erde.

Frankreich muss eigene Bürger schützen

Angesichts der sich zuspitzenden Lage hat die frühere Kolonialmacht Frankreich eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. Paris hat in dem Land derzeit 250 Soldaten stationiert. Unbestätigten Berichten zufolge wurden weitere 150 Mann entsandt, um den Flughafen von Bangui zu sichern. Der Airport ist strategisch wichtig, um die in Zentralafrika lebenden Franzosen in Sicherheit zu bringen.

Zuvor hatte das Außenministerium in Paris alle Landsleute in Zentralafrika aufgerufen, möglichst nicht mehr aus dem Haus zu gehen. In dem krisengeschüttelten Staat leben heute noch etwa 1200 Franzosen, die meisten davon in Bangui. Außenminister Laurent Fabius rief alle Konfliktparteien zu "größter Zurückhaltung" auf.

Der französische Staatspräsident Hollande bekräftigte noch im Dezember, dass Frankreich ausschließlich zum Schutz seiner eigenen Bürger Truppen in das Land entsenden würde. Alle weiteren Maßnahmen bedürften eines UN-Mandates.

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Quelle: n-tv.de

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