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US-Soldat in Landstuhl eingetroffen: Republikaner kritisieren Bergdahls Rettung

Während sich Obama noch für die Befreiung Bergdahls feiern lässt, werden kritische Stimmen laut: Der Geiseltausch gefährde in Zukunft die Leben weiterer US-Soldaten. Derweil trifft Bergdahl nach fünf Jahren in den Händen der Taliban im deutschen Landstuhl ein.

Für die Befreiung ihres letzten Kriegsgefangenen in Afghanistan haben die USA noch einmal ganz auf Risiko gesetzt. In streng geheimer Operation landeten Dutzende Mitglieder eines Spezialkommandos mit ihren Hubschraubern in der Provinz Chost an der Grenze zu Pakistan. Dort warteten schon 18 Taliban mit dem US-Soldaten Bowe Bergdahl im Schlepptau, der seit knapp fünf Jahren in ihrer Hand war. Eine Konfrontation, bei der alles hätte passieren können.

Bergdahls Eltern treten zusammen mit Präsident Obama vor die Fernsehkameras.
Bergdahls Eltern treten zusammen mit Präsident Obama vor die Fernsehkameras.(Foto: AP)

"In einer Operation wie dieser, in der immer Ungewissheit herrscht, immer Gefahr, bereitet man sich auf alle Eventualitäten vor", sagte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel. Spähtrupps hätten jeden Winkel des Übergabeortes ausgekundschaftet, zahlreiche Soldaten und Helikopter zum Eingriff bereitgestanden, erklärte der Pentagonchef. "Zum Glück fielen keine Schüsse. Es gab keine Gewalt."

Als Bergdahl endlich im Hubschrauber saß, aber mit seiner Stimme nicht gegen den Lärm ankam, schrieb er den Berichten zufolge nur zwei Buchstaben auf einen Pappteller: "SF?". Ob er in den Händen der "Special Forces" sei, fragte er seine Kameraden damit. "Wir haben sehr lange nach Dir gesucht", riefen sie ihm zu - der 28-Jährige brach in Tränen aus.

Republikaner äußern scharfe Kritik am Geiseltausch

Daheim in Washington präsentierte US-Präsident Barack Obama die gelungene Kommandoaktion als Triumph. "Bowe ist niemals vergessen worden", erklärte er feierlich im Rosengarten des Weißen Hauses - mit den Eltern Robert und Jani Bergdahl an seiner Seite. "Die Vereinigten Staaten von Amerika lassen niemals unsere Männer und Frauen in Uniform zurück."

Doch wie ein strahlender Oberkommandierender in einer filmreifen Heldengeschichte steht Obama nicht da. Seine Entscheidung, im Tausch für den Soldaten fünf afghanische Häftlinge aus dem US-Straflager Guantánamo Bay freizulassen, hat ihm prompt harsche Kritik eingebracht, vor allem von Republikanern. Der Präsident habe es den Terroristen schmackhaft gemacht, US-Geiseln zu nehmen, um weitere Gefangene freizupressen, meinen sie.

Die Regierung habe das oberste Gebot gebrochen, dass die USA niemals mit Terroristen verhandeln, beklagt der republikanische Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Abgeordnetenhaus, Mike Rogers. "Ich glaube, die Entscheidung wird über Jahre hinweg das Leben von US-Soldaten bedrohen." Der Senator John McCain nennt die freigelassenen Guantánamo-Insassen "unbelehrbare Terroristen" mit Blut an ihren Händen.

"Konnten das Risiko nicht eingehen"

Das Weiße Haus weist die Kritik jedoch weit von sich. Dass Bergdahl in den Händen der Taliban gewesen sei, ändere nichts an der Selbstverpflichtung des Landes, amerikanische Soldaten aus Feindeshänden zu befreien, sagte Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice am Sonntag dem Sender CNN. "Wir konnten das Risiko nicht eingehen, die Möglichkeit zu verlieren, ihn sicher zurückzuholen."

Ärger gibt es auch, weil Obama den Kongress nicht wie vorgeschrieben 30 Tage im Voraus über die Freilassung der Guantánamo-Häftlinge informierte. Das sei schlicht nicht möglich gewesen, erklärte Hagel. Nur eine Handvoll Menschen sei in die Operation eingeweiht gewesen. Man habe sich keine Informationslecks erlauben können. Außerdem gebe die Verfassung dem Präsidenten die Befugnis für solch eigenmächtiges Handeln. Vor einem Rechtsbruch könne keine Rede sein.

Ungemach könnte auch den befreiten Soldaten selbst ereilen. Bergdahl, der mittlerweile im US-Lazarett in Landstuhl in Rheinland-Pfalz gesundheitlich durchgecheckt wird, droht eine Untersuchung der Umstände seiner Gefangennahme. Medien zufolge hatte er sich kurz vor seinem Verschwinden kritisch über den US-Militäreinsatz in Afghanistan geäußert. Einige Kameraden hätten ihn deswegen als Deserteur gesehen. Doch aus Pentagonkreisen verlautete schon, dass der 28-Jährige wohl nicht mit einer Strafe zu rechnen habe. Vermutlich werde er sogar eher befördert.

Quelle: n-tv.de

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