Politik

Während Nachrichtensendung in "Russia Today": Moderatorin kündigt vor laufender Kamera

Von Nora Schareika

Eine US-Moderatorin zieht im englischen Programm von "Russia Today" öffentlichkeitswirksam die Konsequenz aus ihrer Kritik am russischen Präsidenten. Dessen Propaganda habe in der Krim-Krise ihre volle Wucht entfaltet.

Eine US-amerikanische Moderatorin des russischen TV-Senders "Russia Today" hat vor laufender Kamera ihren Job gekündigt. "Ich kann nicht für einen von der russischen Regierung finanzierten Sender arbeiten, der die Taten Putins beschönigt", sagte Liz Wahl. Sie spielte damit auf den Kurs des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Krim-Krise an. Sie sei "stolz, eine Amerikanerin zu sein und glaube daran, die Wahrheit zu verbreiten". Daher werde sie ihren Job nach der Sendung aufgeben. "Russia Today" wird vom Staat finanziert und betreibt neben dem russischsprachigen Programm auch auf internationales Publikum ausgerichtete Programme in englischer, arabischer und spanischer Sprache. Liz Wahl arbeitete für den Sender von Washington aus.

Im amerikanischen Nachrichtensender CNN erklärte die Moderatorin später in einem Interview, warum sie sich ausgerechnet jetzt dazu entschlossen habe, zu kündigen. Liz Wahl sagte: "Die Natur der russischen Propaganda hat sich bei der Eskalation um die Krim in ihrer ganzen Wucht gezeigt." Sie beklagte etwa, dass russlandkritische Fragen in einem von ihr geführten Interview mit einem amerikanischen Militärexperten nachträglich beschnitten worden seien.

Die in den USA geborene Moderatorin, die ungarische Vorfahren hat, nahm in dem CNN-Interview auch Bezug auf die Darstellung der russischen Regierung, bei den Oppositionellen auf dem Kiewer Maidan handele es sich um Neo-Nazis. Sie sagte: "Das ist sehr gefährlich. Ich bin sicher, dass es dort neo-nazistische Elemente gibt. Aber die gesamte Opposition so hinzustellen, als wären es alles Extremisten, das geht ja ganz klar einher mit der Geschichtsschreibung, die Putin hier gerade beeinflussen will."

Kündigung "Gebot der Professionalität"

Der Sender hat inzwischen auf Liz Wahls Äußerungen reagiert. Auf der englischen Webseite von "Russia Today" heißt es sinngemäß, Wahl habe ihre Kollegin Abby Martin nachgeahmt, die ebenfalls vor laufender Kamera die russische Politik in der Krimkrise kritisch kommentiert hatte. Doch Martin sei eine Talkshow-Moderatorin und Wahl präsentiere Nachrichten. Normalerweise sei es Usus, dass ein Journalist zuerst mit seinen Vorgesetzten spreche, wenn er mit der Linie seines Mediums nicht zufrieden sei. Finde man keine Einigung, sei es ein Gebot der Professionalität, dass der Journalist dann eben kündige.

Abby Martin, Russia-Today-Moderatorin einer eigenen Talkshow im englischsprachigen Programm, hatte vor einigen Tagen in ihrer Sendung die russische Politik kritisiert, jedoch nicht gekündigt. "Was Russland gemacht hat, ist falsch", hatte Martin gesagt. "Militärinterventionen sind nie eine Lösung." Sie werde nicht herumsitzen und eine "militärische Aggression verteidigen". Sie könne gar nicht oft genug sagen, wie sehr sie die Einmischung eines Staates in die Angelegenheiten einer "souveränen Nation" ablehne.

In der Erklärung von "Russia Today" werden die Äußerungen von Abby Martin ausdrücklich in den Kontext ihrer Talkshow gestellt. In einem solchen Format sei es normal, dass der Moderator seine Meinung darstelle. Martin habe in der Vergangenheit auch vehement gegen Militärinterventionen der USA argumentiert. Erst jetzt, wo sie Russland kritisiert habe, würde dies zur Sensation gemacht. Medienberichten zufolge soll sie nun zur Berichterstattung auf die Krim geschickt werden, um sich vor Ort "selbst ein Bild machen" zu können.

Quelle: n-tv.de

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