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Chodorkowski wird nun auch zur Fahndung ausgeschrieben.
Chodorkowski wird nun auch zur Fahndung ausgeschrieben.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 22. Dezember 2015

Chodorkowskis Stiftung: Russische Justiz knöpft sich Mitarbeiter vor

Die Staatsanwaltschaft in Moskau hat einen langen Atem. Auch wenn der ehemalige Oligarch Chodorkowski auf freiem Fuß ist, erhöht sie seit Monaten den Druck auf ihn. Diesmal trifft es vor allem die Mitarbeiter seiner Stiftung "Offenes Russland".

Russische Staatsanwälte haben die Wohnungen mehrerer Mitarbeiter der politischen Stiftung "Offenes Russland" durchsucht, die von Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski gegründet wurde. Auch die Wohnung von Chodorkowskis Pressesprecherin Kulle Pispanen wurde inspiziert, wie "Offenes Russland" berichtet.

Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte einen Sprecher der Ermittlungsbehörde mit den Worten, die Durchsuchungen stünden im Zusammenhang mit einen Fall aus dem Jahr 2003, in den Chodorkowski und dessen Partner verwickelt gewesen seien. Dabei sei es um die Privatisierung eines Bergwerks- und Düngemittelbetriebes namens Apatit gegangen. Diese wurde vom Staat als illegal eingestuft.

Der frühere Ölmagnat Chodorkowski war Ende 2013 nach zehn Jahren Haft freigelassen worden und lebt seitdem in Großbritannien und der Schweiz. Weil er seine Kritik an Präsident Wladimir Putin in den vergangenen Wochen verschärft hat, erhöht die russische Justiz den Druck auf ihn wieder.

Mordvorwürfe gegen Chodorkowski

Anfang Dezember hatte die Polizei ein anderes altes Verfahren wieder aufgenommen. Es lägen Beweise vor, dass Chodorkowski 1998 den Mord an dem Bürgermeister der sibirischen Stadt Neftejugansk in Auftrag gegeben habe, hieß es. Er wurde daraufhin zur Fahndung ausgeschrieben. Chodorkowski bestreitet die Vorwürfe.

Chodorkowski lebt derzeit in der Schweiz. Er gehörte zu den russischen Oligarchen, die in dem wirtschaftlichen Chaos nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion riesige Reichtümer angehäuft hatten. Er selbst kontrollierte den Ölkonzern Yukos. Später überwarf er sich mit Präsident Wladimir Putin und wurde 2003 wegen Steuerhinterziehung verhaftet. Yukos wurde zerschlagen, Chodorkowski kam ins Arbeitslager aus dem er 2013 entlassen wurde. Er bewertete den Prozess als politisch motiviert.

Die von Chodorkowski gegründete Stiftung Open Russia veröffentlicht Berichte über die Lage in Russland und setzt sich für freie Wahlen ein. Die jüngsten Polizeiaktionen verbindet der Regimekritiker mit seinen kritischen Äußerungen über Putin. Jeder, der mit "Offenes Russland" zusammenarbeite, sei sich darüber im Klaren, dass er mit politischem Druck rechnen müsse, sagte Chodorkowski dem Sender Echo Moskaus.

Mitte des Monats hatte Chodorkowski zu einer friedlichen Revolution in Russland aufgerufen. Der Rechtsstaat müsse wiederhergestellt werden und Präsident Wladimir Putin vor ein unabhängiges Gericht gestellt werden. Diesem warf er einen "verfassungswidrigen Staatsstreich" vor. Obwohl ihn Politik nicht interessiere, könne er "nicht tatenlos" bleiben, so Chodorkowski.

Quelle: n-tv.de

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