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Dieses Bild kursierte in den vergangenen Tagen bei Twitter.(Foto: Twitter)

Polen und Ukraine machen dicht: Russische Lastwagen stehen im Stau

Die polnische Regierung verbietet russischen Lkw den Transit. Ukrainische Nationalisten ziehen nach, Russland reagiert mit einem Einreiseverbot. Wie es zu dem kuriosen "Lkw-Krieg" gekommen ist.

Wer in den vergangenen Tagen den Häfen in Kiel oder im litauischen Klaipeda einen Besuch abgestattet hat, der sah außerordentlich lange Lastwagen-Schlangen. Vor allem russische Lkw stehen dort im Stau und warten auf einen begehrten Platz auf einer Fähre. Russische Lastwagenfahrer mit dem Ziel Europa haben in diesen Tagen ein Problem: Sie werden zu einem Umweg gezwungen und müssen massive Zeitverluste in Kauf nehmen. Es sind die Ausläufer eines kuriosen Verkehrsstreits zwischen Polen, Russland und der Ukraine.

Wie kam es dazu? Vor drei Wochen hatte die polnische Regierung angekündigt, ein bilaterales Transitabkommen mit Russland auslaufen zu lassen. Seit dem 1. Februar ist Lastwagen aus Russland die Durchreise untersagt. Die russische Regierung hatte zuvor die Bedingungen für den polnischen Transitverkehr deutlich eingeschränkt. Beide Länder streiten über Transitquoten für den Güterverkehr.

Russische Fernfahrer wichen Anfang Februar von ihren üblichen Routen ab und fuhren über Weißrussland, die Ukraine und die Slowakei nach Europa – bis auch dies nicht mehr möglich war. In der vergangenen Woche meldeten verschiedene Medien, dass ukrainische Nationalisten russische Lkw in Transkarpatien an der Weiterfahrt gehindert hätten. Die Region liegt genau an der Grenze zu Ungarn und der Slowakei. In anderen westukrainischen Regionen gab es ähnliche Aktionen. Die Aktivisten begründeten dies mit dem Protest gegen die russische Besetzung der Ostukraine und forderten die Regierung in Kiew auf, dem polnischen Beispiel zu folgen und Lastwagen aus Russland die Durchreise nicht mehr zu gewähren.

Die russische Regierung reagierte verärgert. Mehr als 500 Lkw würden an der ukrainischen Grenze an der Weiterfahrt gehindert, kritisierte das Verkehrsministerium in der vergangenen Woche. "Es ist ein Skandal, dass wegen der Untätigkeit der ukrainischen Regierung solche Willkür gegenüber unseren Spediteuren geschieht", wetterte Dmitri Peskow, Sprecher des Präsidenten. Das widerspreche den Völkerrechtsnormen.

Frist bis zum 25. Februar

Als sich die Situation nicht besserte, verhängte die Regierung in Moskau am vergangenen Wochenende ein generelles Fahrverbot für Lastwagen aus der Ukraine auf russischem Boden. Die ukrainische Regierung zog zu Wochenbeginn nach und verbot russischen Lastwagen nun auch offiziell die Durchreise. "Wir fordern von Russland, unverzüglich die Bedingungen der Welthandelsorganisation zu erfüllen und den Transit ukrainischer Lastwagen wieder zuzulassen", erklärte Regierungschef Arseni Jazenjuk. Verschiedene Medien berichteten inzwischen über den "Lkw-Krieg".

Fernfahrer aus Russland stellten sich derweil auf die neue Situation ein. Über Weißrussland steuerten sie den litauischen Hafen in Klaipeda an, um von dort mit der Fähre in die Ostseehäfen von Kiel, Rostock und Travemünde zu gelangen. Die Folge: lange Lkw-Schlangen und Wartezeiten von 48 Stunden. Die Reedereien haben darauf reagiert und die Geschwindigkeit der Fähren von 15 auf 20 Knoten erhöht. Außerdem stellten sie auf größere Fähren und häufigere Abfahrten - nun auch am Sonntag - um.

Wie der Fernsehsender "Euronews" berichtet, ist der Streit inzwischen zumindest vorübergehend beigelegt. Russland und die Ukraine haben sich darauf verständigt, das Fahrverbot bis zum 25. Februar auszusetzen. Die festsitzenden Fernfahrer sollen so die Möglichkeit haben, in ihr Heimatland zurückzukehren.

Quelle: n-tv.de

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