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(Foto: imago/ITAR-TASS)

Humanitäre Hilfe für die Ukraine?: Russischer Konvoi ist unterwegs

Fast 300 Lastwagen schickt Russland in Richtung Ukraine. Nach Angaben Moskaus handelt es sich um humanitäre Hilfe. Mit dem Roten Kreuz ist die Aktion offenbar nicht abgesprochen. Nicht nur Kiew fürchtet, Russland könnte Soldaten in die Ukraine schicken.

Ein russischer Konvoi ist am Morgen in die Ostukraine aufgebrochen. 280 LKW mit Hilfsgütern seien von einer Kaserne in der Nähe Moskaus gestartet, melden russische Medien. Alles sei mit der Ukraine und dem Roten Kreuz abgestimmt, sagte der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow. Die Hilfsorganisation widersprach dieser Darstellung allerdings. Von der Regierung in Kiew liegt noch keine unmittelbare Reaktion vor.

Im Osten der Ukraine werden infolge der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten insbesondere in den Städten Donezk und Lugansk Lebensmittel und Wasser immer knapper. Dort haben sich Separatisten verschanzt, die ukrainische Armee hat sie nach eigenen Angaben in Donezk eingekesselt und will auch Lugansk umstellen.

 

Menschen in der Ostukraine würden mit rund 2000 Tonnen Hilfsgütern versorgt, die von Bewohnern Moskaus und Umgebung gesammelt worden seien, sagte ein Vertreter des Verwaltungsgebiets von Moskau. Bis die Lastwagen an der Grenze zur Ukraine eintreffen, dürfte es einige Zeit dauern. Sie müssen eine Strecke von rund 1100 Kilometern zurücklegen. Die weißen Fahrzeuge ohne das Rote-Kreuz-Zeichen haben keine Kennzeichen, an einigen von ihnen weht die Flagge der Region Moskau. Nach Angaben einer Reporterin der Nachrichtenagentur AP sagte der Leiter des russischen Katastrophenschutzministeriums, Alexander Drobyshevsky, dass noch nicht feststehe, wohin der Konvoi fahre.

Weder das Rote Kreuz noch die Regierung in Kiew bestätigten, dass die Lieferung mit ihnen koordiniert worden sei. Journalisten in der Ukraine zitieren Vertreter der Hilfsorganisation mit den Worten, sie seien über den Start des Konvois nicht informiert worden. Am Vortag hatte das Rote Kreuz mitgeteilt, dass noch über die Details verhandelt werden müsse.

Am Montag hatte Kiew einem internationalen Hilfskonvoi mit russischer Beteiligung unter der Voraussetzung zugestimmt, dass er unter der Führung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz stattfindet. Die ukrainische Regierung befürchtet, Russland könnte unter dem Vorwand humanitärer Hilfe Soldaten in die Ostukraine einmarschieren lassen.

Nach Einschätzung der französischen Regierung könnte der Konvoi ein Deckmantel für eine dauerhafte Präsenz Russlands in der Region sein. "Wir müssen außerordentlich vorsichtig sein", sagte Außenminister Laurent Fabius dem Sender "France Info". Es könne sein, dass sich auf diesem Wege Russen in der Nähe der Rebellenhochburgen Donezk und Luhansk in Stellung brächten und den Westen vor vollendete Tatsachen stellten. Der Hilfskonvoi sei nur möglich, wenn das Rote Kreuz ihn genehmige, sagte Fabius.

Hilfe oder verdeckte Invasion?

Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hält eine russische Invasion in der Ostukraine für sehr wahrscheinlich. Es gebe keine Hinweise, dass Russland seine Truppen im Grenzgebiet zur Ukraine verringere, sagte Rasmussen in Brüssel. Russland entwickle derzeit den Kontext für einen solchen Einsatz unter dem Deckmantel einer humanitären Hilfsaktion. Putins Sprecher hatte dagegen erklärt, dass Russland keinen Alleingang für Hilfe an die Menschen in den umkämpften Gebieten in der Ostukraine plane. Hilfsgüter würden nur bei Zustimmung aller beteiligten Parteien geliefert.

Russland hat nach Darstellung der ukrainischen Regierung 45.000 Soldaten an der gemeinsamen Grenze aufmarschieren lassen. Die Streitkräfte hätten auch schweres Kriegsgerät wie 160 Panzer, bis zu 150 Raketenwerfer, 192 Kampfflugzeuge und 137 Hubschrauber aufgefahren, sagte der Sprecher der ukrainischen Streitkräfte, Andrej Lisenko.

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Quelle: n-tv.de

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