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Nemzow wurde im Februar in Moskau auf offener Straße erschossen.
Nemzow wurde im Februar in Moskau auf offener Straße erschossen.(Foto: dpa)

Untersuchungen abgeschlossen: Russland klagt angebliche Nemzow-Mörder an

Im Fall des ermordeten Kreml-Kritikers Boris Nemzow will die russische Justiz den Täter identifiziert haben. Man fahnde international nach einem aus Tschetschenien stammenden Russen. Doch das Nemzow-Lager meldet Zweifel an.

Rund zehn Monate nach dem Mord an dem Putin-Kritiker Boris Nemzow klagt die russische Staatsanwaltschaft fünf Männer an. Ihnen werde vorgeworden, Nemzow im Februar vor dem Kreml getötet zu haben, teilten die zuständigen Ermittler mit. Die Beschuldigten stammten aus Tschetschenien.

Drahtzieher des Attentats soll der ehemalige tschetschenische Offizier Ruslan Muchudinow sein. Nach ihm werde "seit November international gefahndet", erklärte das zuständige russische Ermittlungskomitee. Er sei einer der "Geldgeber und Organisatoren dieses Verbrechens". Gegen ihn und weitere noch nicht identifizierte Verdächtige würden "separate Verfahren" eröffnet. Sein Anwalt teilte mit, dass keine belastenden Beweise gegen Muchudinow vorlägen. Muchudinow ist auf der Flucht. Den Ermittlern zufolge soll es aber nur eine Frage der Zeit sein, bis er festgenommen wird.

Nach Angaben der Oppositionsgruppe Offenes Russland gehörte Muchudinow einer Einheit tschetschenischer Spezialkräfte an, die den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow unterstützten. Muchudinow sei lediglich der Fahrer eines tschetschenischen Bataillons-Kommandeurs gewesen.

Echte Schuldige bleiben im Dunkeln

Ilja Jaschin, ein Nemzow-Verbündeter, sagte, die Ermittler vertuschten, dass es politische Gründe für den Mord an Nemzow gegeben habe. So blieben die wahren Schuldigen, nicht nur der echte Mastermind, sondern auch die wirklichen Organisatoren im Dunkeln. "Die Spur führt nach Grosny und zu den Büros der Spitzenbeamten in Grosny", sagte Jaschin. Es sei unwahrscheinlich, dass hohe tschetschenische Offiziere einen Mord verübten, ohne Präsident Kadyrow wenigstens zu informieren.

Die Familie Nemzows bezweifelte, dass Muchudinow der Auftraggeber für den Mord war. Dem ehemaligen tschetschenischen Polizisten Saur Dadajew wird der Staatsanwaltschaft zufolge vorgeworden, die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben. Dadajew hatte die Tat zunächst gestanden, später aber gesagt, er habe sein Geständnis unter Zwang abgelegt.

Nemzow ist der prominenteste Oppositionelle, der in der Amtszeit von Präsident Wladimir Putin getötet wurde. Ende Februar wurde er in Moskau unweit des Kreml auf offener Straße erschossen. Putin hat die Tat verurteilt. Im März waren die fünf tschetschenischstämmigen Männer festgenommen worden. Mitarbeiter und Anhänger Nemzows vermuten jedoch, dass der russische Sicherheitsapparat etwas mit der Tat zu tun habe.

Quelle: n-tv.de

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