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Schwer bewacht im Glaskäfig: Nadeschda Sawtschenko während der Verhandlung in Donezk.
Schwer bewacht im Glaskäfig: Nadeschda Sawtschenko während der Verhandlung in Donezk.(Foto: dpa)

Umstrittener Prozess in Russland: Sawtschenko zu Lagerhaft verurteilt

Am Tag nach dem Urteil folgt das Strafmaß: In der südrussischen Kleinstadt Donezk nahe der ukrainischen Grenze verurteilt ein russisches Gericht eine ukrainische Militärpilotin zu mehr als zwei Jahrzehnten Haft im russischen Straflager.

Ein russisches Gericht hat die ukrainische Kampfpilotin Nadeschda Sawtschenko russischen Medienberichten zufolge zu 22 Jahren Haft verurteilt. Richter Leonid Stepanenko sah es als erwiesen an, dass die Pilotin der Beihilfe zum Mord an zwei Journalisten in der Ostukraine schuldig ist.

Bereits zu Wochenbeginn hatte Stepanenko erklärt, die Frau habe "aus Hass absichtlich den Tod zweier Menschen verursacht". Mit dem Strafmaß blieb das Gericht hinter den Forderungen der Anklage zurück: Die Staatsanwaltschaft hat 23 Jahre Haft für Sawtschenko beantragt.

Das harte Vorgehen der russischen Justiz gegen eine Militärangehörige aus dem Nachbarstaat Ukraine wird je nach Standpunkt unterschiedlich bewertet: In der Ukraine wird die Pilotin als Nationalheldin und Symbol des Widerstands gegen Russland verehrt, während sie im russischen Staatsfernsehen als gefährliche Nationalistin dargestellt wird, die das Blut russischer Zivilisten an den Händen hat.

Mord aus dem Hubschrauber?

Sie selbst bestreitet jegliches Fehlverhalten und spricht von einem Schauprozess. Deutschland, die USA und andere westliche Staaten fordern die Freilassung Sawtschenkos. Die 34-Jährige hat mehrere Hungerstreiks hinter sich. Es wird erwartet, dass Sawtschenko einen neuen Hungerstreik beginnt, sobald das Urteil gegen sie in Kraft tritt, um ihre Heimkehr in die Ukraine zu erzwingen.

Sawtschenko ist Hubschrauberpilotin der ukrainischen Armee. Als Mitglied eines Freiwilligenbataillons zog sie in den Kampf gegen die prorussischen Separatisten in der Ostukraine. Moskau wirft ihr vor, 2014 am Tod von russischen Journalisten im Kriegsgebiet beteiligt gewesen zu sein. Die 35-Jährige soll im Juni 2014 dem ukrainischen Militär den Aufenthaltsort der Reporter mitgeteilt haben, woraufhin diese durch Granatbeschuss getötet wurden.

In einer ersten Reaktion auf das Urteil der russischen Justiz, erklärte die Staatsspitze in Kiew, dass die Ukraine das Gerichtsverfahren gegen die Pilotin und deren Verurteilung nicht akzeptiert. "Die Ukraine wird die Gerichtsfarce gegen Nadeschda Sawtschenko nie anerkennen", sagte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko. Es werde Sanktionen gegen "alle Beteiligten an der Verfolgung" der 34-Jährigen geben, kündigte er an.

Poroschenko bekräftigte seine Bereitschaft, Sawtschenko gegen zwei bei Gefechten im Donbass gefangen genommene russische Staatsbürger auszutauschen. Der Kampf um die Befreiung der Kampfpilotin trete nun in die "entscheidende Phase", sagte er in einer Videobotschaft. Auch Moskau hat einen Deal mit Kiew bislang nicht ausgeschlossen.

Quelle: n-tv.de

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