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Zwei Beamte zwingen den mutmaßlichen Schlepper, sich die Kinderleichen anzuschauen.
Zwei Beamte zwingen den mutmaßlichen Schlepper, sich die Kinderleichen anzuschauen.(Foto: Screenshot Youtube / Sky News)

Griechenland diskutiert über Strafe: Schlepper muss Kinderleichen betrachten

Seit Jahresbeginn kamen Zehntausende Menschen von der Türkei nach Griechenland. Einige überlebten die Überfahrt nicht. Nach einem solchen Unglück bestrafen griechische Beamte einen mutmaßlichen Schlepper auf eigene Faust.

Nach einem Flüchtlingsdrama mit drei ertrunkenen Kindern hat die griechische Küstenwache einen mutmaßlichen türkischen Schleuser zum Betrachten der Kinderleichen gezwungen und damit eine Debatte ausgelöst. Der Sender Sky News berichtete über das Drama, das sich bereits am Freitag vor der Küste von Samos ereignete. Dabei kamen zwei zweijährige Jungen sowie ein vierjähriges Mädchen ums Leben.

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Beamte der Küstenwache nahmen einen 21-jährigen Türken als mutmaßlichen Schlepper fest. Er habe durch falsche Bewegungen das Boot mit mehreren Flüchtlingen an Bord zum Kentern gebracht, hieß es. In einem Video ist zu sehen, wie zwei Beamte den mutmaßlichen Schleuser in Handschellen zwingen, vor den Leichen von drei ertrunkenen Flüchtlingskindern zu knien. "Okay, schau", sagt ein Beamter. Schließlich brach der Mann in Tränen aus.

Das Verhalten der Küstenwache sei "eindeutig unangemessen", erklärte Schifffahrtsminister Thodoris Dritsas. "Staatsdiener müssen einen kühlen Kopf bewahren und sich im Umgang mit jedem Festgenommenen wie Profis verhalten". Dies gelte auch dann, wenn der Festgehaltene "eines abscheulichen Verbrechens" beschuldigt werde. Bis zu einer Verurteilung gelte die Unschuldsvermutung.

Die Staatsanwaltschaft auf Samos muss nun entscheiden, ob sie gegen den festgenommenen Türken ein Verfahren wegen eines Tötungsdelikts einleitet. Der junge Mann sagte zu Sky News, er sei dazu gezwungen worden, das Flüchtlingsboot Richtung Griechenland zu steuern. Der griechische Präsident Prokopis Pavlopoulos warf den türkischen Hafenbehörden vor, die Schleuser zu unterstützen. In den vergangenen Monaten ereigneten sich in den griechischen Gewässern viele Dramen mit kenternden Flüchtlingsbooten. Im Falle einer Verurteilung müssen Schleuser in Griechenland mit langen Haftstrafen rechnen.

30.000 Flüchtlinge seit Neujahr

Nach UN-Angaben kamen allein in den ersten 17 Tagen dieses Jahres mehr als 30.000 Migranten aus der Türkei nach Griechenland. Zum Vergleich: Im ganzen Januar 2015 waren es knapp 1700. Allerdings begann der große Flüchtlingszustrom erst im Sommer vergangenen Jahres. 87 Menschen sind im neuen Jahr bereits im Mittelmeer ertrunken oder werden vermisst, teilte das UN-Hilfswerk UNHCR mit.

In der griechischen Hafenstadt Piräus trafen nach Angaben der Küstenwache am Dienstag 831 Flüchtlinge an Bord von zwei Fähren von den Inseln Lesbos, Chios und Kos ein. Dorthin waren sie vom türkischen Festland gelangt. In ihrer Mehrheit ziehen diese Menschen binnen weniger Tage weiter über die Balkanroute nach Mittel- und Nordeuropa.

Quelle: n-tv.de

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