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Zu wenig Präsenz in der Ägäis : Schlepper weichen Nato-Schiffen aus

Mit Unterstützung der Nato will Europa den Zustrom von Flüchtlingen über die Ägäis eindämmen und den Schleusern das Handwerk legen. Bislang zeigt der Einsatz allerdings keinen Erfolg: Die Schlepper suchen sich andere Routen.

Die Schleuser in der Ägäis reagieren mit Ausweichmanövern auf den Nato-Einsatz. Die Flüchtlingsboote suchten sich ihre Routen danach aus, wie der Nato-Verband mit seinen sieben Schiffen aufgestellt sei, sagte Nato-Kommandeur Jörg Klein. "Die Schleuser sind sehr flexibel und verlagern ihre Schwerpunkte."

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Pro Tag sollen demnach 20 bis 40 Flüchtlingsboote die Überfahrt von der Türkei zu den griechischen Inseln versuchen. Laut Klein reiche die Präsenz der Nato an einzelnen Küstenabschnitten nicht aus: Würde Lesbos abgeriegelt, ist zu erwarten, dass sich die Flüchtlingsströme andere Wege suchen, sagte der Flottillenadmiral, der mit dem Versorgungsschiff "Bonn" in der Ägäis unterwegs ist. "Deswegen ist es sinnvoll und auch geplant, die Nato-Aktivität möglichst rasch auf weitere Küstengewässer in der Ägäis auszuweiten."

Bisher konnte der Nato-Einsatz die Flüchtlingsbewegung von der Türkei nach Griechenland nicht eindämmen. In der ersten Woche unterschieden sich die Zahlen kaum von denen der Vorwoche. Ein Grund ist, dass der Nato-Verband bisher nur den Seeraum zwischen der Türkei und Lesbos überwacht, aber auch dort haben die Flüchtlingszahlen nicht abgenommen.

154.000 Flüchtlinge im Mittelmeer

Klein hält es trotzdem für verfrüht, daraus Schlüsse zu ziehen. Die Flüchtlingsbewegung werde auch von der Logistik der Schleuser, den Wetterbedingungen oder der Kommunikation über soziale Medien beeinflusst, sagte er. Die Kooperation mit den Küstenwachen Griechenlands und der Türkei bezeichnete er als "ausgezeichnet".

Auf Bitten von Deutschland, Griechenland und der Türkei hatte sich die Nato Ende Februar verständigt, in der Flüchtlingskrise türkische und griechische Seegebiete zu überwachen. Der Einsatz dient hauptsächlich dazu, Informationen über Schleuserbanden zu gewinnen, um ihnen das Handwerk legen zu können. In der Regel werden Flüchtlingsboote der türkischen Küstenwache gemeldet, damit diese eingreifen kann.

Ein Mandat zum Stoppen der Migrantenboote haben die Besatzungen der Nato-Schiffe nicht. Sie dürfen Flüchtlingen lediglich in Fällen von Seenot helfen und an Bord nehmen. Anschließend werden die Migranten in der Regel in die Türkei zurückgebracht.

Nach aktuellen Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks sind dieses Jahr bereits knapp 154.000 Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa gelangt. Fast 144.000 von ihnen betraten erstmals in Griechenland europäischen Boden. 

Quelle: n-tv.de

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