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Referendum komplett ausgezählt: Schottland bleibt britisch

Die Befürworter einer Unabhängigkeit Schottlands haben sich nicht durchsetzen können. Der Unterlegene Salmond will dennoch weiterkämpfen. Der britische Premier Cameron kündigt an, mehr Macht nach Edinburgh zu verlagern.

Die schottischen Wähler haben sich dagegen entschieden, einen eigenen Staat zu gründen. Auf die Frage "Soll Schottland ein unabhängiges Land sein?", antwortete mehr als die Hälfte mit "Nein".

Die Auszählung dauerte die ganze Nacht.
Die Auszählung dauerte die ganze Nacht.(Foto: AP)

Um 9.20 Uhr meldete der letzte Bezirk sein Ergebnis. Insgesamt stimmten 44,7 Prozent für, 55,3 Prozent gegen die Spaltung des Vereinigten Königreiches. Die stellvertretende Vorsitzende der Schottischen Nationalpartei (SNP), Nicola Sturgeon, hat die Niederlage bereits eingestanden. "Jedes Mitglied der 'Yes'-Kampagne ist tief enttäuscht. Aber Schottland hat sich für immer verändert", sagte sie. Cameron gratulierte der "Nein"-Kampagne und dankte ihrem Chef Alister Darling.

"Reise wird uns noch weiter bringen"

Der schottische Regierungschef Alex Salmond wandte sich in einer kämpferischen Rede an seine Landleute. "Zu diesem Zeitpunkt" hätten die Schotten die Unabhängigkeit abgelehnt, sagte er. Doch das Referendum sei ein "Triumph des demokratischen Prozesses und der direkten Beteiligung der Menschen an der Politik". Viele hätten sich zum ersten Mal überhaupt in ihrem Leben mit Politik beschäftigt. Er erinnerte die Regierung in London an ihr Versprechen, bis zum 27. März 2015 weitere Kompetenzen nach Edinburgh zu übertragen. "Diese Reise hat uns weit gebracht", so Salmond. "Und sie wird uns noch weiter bringen."

Nach dieser Rede telefonierten Salmond und der britische Premier David Cameron miteinander. Cameron twitterte danach, er habe Salmond für seine Kampagne gratuliert. Er zeigte sich erfreut, dass die SNP sich weiterhin an dem Prozess beteiligen möchte, der zu weiteren Kompetenzen des schottischen Parlaments führen soll.

Wahlbeteiligung über 80 Prozent

Die Wahlbeteiligung lag in fast allen Wahlkreisen zwischen 80 und 90 Prozent. Das Ergebnis des Referendums entspricht ungefähr den letzten Umfragen. Allerdings ging der Trend dabei zu mehr "Ja"-Wählern.

Beide Kampagnen hatten bis zum Schluss versucht, die Wähler zu überzeugen. Je ein Kampagnen-Freiwilliger begrüßte vor jedem Wahlbüro die Schotten, die zur Abstimmung kamen.

London verspricht umfassende Reformen

 Erst in den letzten Tagen hatte die "Nein"-Kampagne eine emotionaleren Ton gefunden. Der ehemalige Premierminister Gordon Brown, der sich im Wahlkampf lange zurückgehalten hatte, trat am Vorabend der Abstimmung auf. Brown hielt die mitreißende Ansprache, die man von Kampagnenleiter Alister Darling lange vermisst hatte. "Wir haben gemeinsam zwei Weltkriege ausgefochten", erinnerte er in Glasgow. Schotten, Engländer, Waliser und Iren lägen Seite an Seite auf den Friedhöfen in Europa. Die Kampagne gegen die Unabhängigkeit war bis vor einigen Tagen nur wenig emotional gewesen. Brown sagte, nun sei für die schweigende Mehrheit der Zeitpunkt gekommen, ihr Schweigen zu brechen.

Für den Fall eines mehrheitlichen "Nein" hat die Regierung des Vereinigten Königreiches umfassende Gesetzesänderungen angekündigt. Das schottische Parlament soll dann unter anderem weitere Rechte erhalten, eigene Steuern zu erheben und über deren Verwendung zu entscheiden. Bisher treibt die Zentralregierung alle Gelder ein und überweist dann einen Teil davon nach Edinburgh. Außerdem soll Schottland künftig die Möglichkeit haben, jede Kürzung im Gesundheitssystem zu verhindern. Premierminister David Cameron versprach, dass die neuen Rechte so tief in der Verfassung Großbritanniens verankert würden, dass sie nie wieder zurückgenommen werden können. Die Arbeit an entsprechenden Gesetzen solle am Tag nach dem Referendum beginnen, hatte der Premier immer wieder versprochen.

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Quelle: n-tv.de

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