Politik
Gerhard Schröder schiebt die Kritik im eigenen Land beiseite.
Gerhard Schröder schiebt die Kritik im eigenen Land beiseite.(Foto: dpa)
Freitag, 29. September 2017

Politisch brisante Personalie: Schröder leitet Rosneft-Aufsichtsrat

Ein ehemaliger deutscher Regierungschef bei einem russischen Unternehmen, das auf der EU-Strafliste steht? Gerhard Schröder hat sich von Kritik nicht beirren lassen und geht als Kontrollchef zur größten russischen Ölfirma.

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder wird Chef des Aufsichtsrats beim russischen Ölriesen Rosneft. Die Aktionärsversammlung des halbstaatlichen Konzerns billigte in St. Petersburg die Berufung des Altkanzlers auf den Spitzenposten. Schröder bedankte sich für die Wahl. Er wolle seine Erfahrung zum Wohl des Konzerns einsetzen, sagte er in St. Petersburg. Die Personalie ist politisch brisant: Rosneft steht auf der Sanktionsliste der EU.

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Schröders Berufung in den Aufsichtsrat war seit längerem geplant. Unklar war bis Freitag zunächst, ob er auf Anhieb an dessen Spitze treten würde. Zum Abschluss der Versammlung gab der Altkanzler dann vor Journalisten bekannt, dass er tatsächlich zum Aufsichtsratschef gewählt worden sei.

Vor der Abstimmung hatte Konzernchef Igor Setschin auf der Versammlung für die Berufung des Altkanzlers geworben. Der Rosneft-Chef erwartet durch die Wahl neue Impulse für das deutsch-russische Verhältnis: Schröder sei ein Politiker, der "regelmäßig die strategische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland verteidigt" habe, sagte Setschin. Schröders Engagement für Rosneft werde "die Beziehungen unserer Länder beleben".

Der frühere Kanzler verfüge über "erhebliche Erfahrung" und "einzigartige Kompetenz", sagte Setschin. Der Eintritt des Altkanzlers in den Aufsichtsrat werde "zur Entwicklung unserer internationalen Aktivitäten beitragen".

Auf der EU-Sanktionsliste

In Deutschland wird Schröders Einzug in die Konzernspitze vielfach kritisiert. Rosneft pflegt enge Verbindungen zum Kreml. Dem Ex-Kanzler wird vorgeworfen, sich von seinem Freund Präsident Wladimir Putin vereinnahmen zu lassen.

Schröders künftiger Arbeitgeber Rosneft zählt zu jenen Unternehmen, welche die EU wegen der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim mit Sanktionen belegt hat. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete Schröders Vorgehen deshalb als "nicht in Ordnung".

Schröder selbst verteidigt sein Engagement in der russischen Wirtschaft. Aus seiner Sicht sei es nicht vernünftig, "unseren größten Nachbarn Russland ökonomisch und politisch zu isolieren", sagte er kürzlich.

Quelle: n-tv.de

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