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Die Einigkeit, wie hier beim DFB-Pokalfinale im Mai in Berlin, ist dahin.
Die Einigkeit, wie hier beim DFB-Pokalfinale im Mai in Berlin, ist dahin.(Foto: imago/MiS)
Donnerstag, 17. August 2017

"Meine Ansage an ihn war klar": Schulz rüffelt Schröder wegen Rosneft

Martin Schulz wird deutlich: Der SPD-Kanzlerkandidat redet Ex-Kanzler Schröder ins Gewissen, seine Rosneft-Pläne zu begraben. Die Sozialdemokraten planen indes keine gemeinsamen Auftritte von Schulz und Schröder.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat nach eigenen Angaben dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder davon abgeraten, einen Aufsichtsratsposten beim halbstaatlichen russischen Ölkonzern Rosneft zu übernehmen. "Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass ein Bundeskanzler außer Dienst immer nur bedingt ein Privatmann ist", sagte Schulz in einem Interview von Phoenix und Deutschlandfunk.

Schröder hielt aber an seinem Vorhaben fest. "Ich glaube nicht, dass ich mit dem Mandat meiner Partei schade", sagte der frühere SPD-Politiker der Schweizer Zeitung "Blick". Aus der CDU wurde Schulz aufgefordert, sich deutlicher zu distanzieren.

Die SPD ließ wissen, dass keine gemeinsamen Auftritte von Schulz und Schröder geplant seien. Beim Bundesparteitag Ende Juni hatte Schröder noch für Schulz geworben. Vorgesehen ist ein Wahlkampfauftritt Schröders aber Ende August beim niedersächsischen SPD-Abgeordneten Lars Klingbeil, der einst in seinem Wahlkreisbüro gearbeitet hatte.

"Es gibt äußere Dinge, auf die haben Sie nur einen bedingten Einfluss", sagte Schulz. Er habe mit Schröder telefoniert. "Ich habe ihm gesagt, dass ich das nicht machen würde und dass man nicht jedes Angebot annehmen muss, das man bekommt. Aber am Ende trifft er diese Entscheidung alleine." Damit müsse er leben: "Aber meine Ansage an ihn war klar."

Schröder unterstrich dagegen, für den Posten im Aufsichtsrat werde er sich "zur Wahl stellen, trotz aller Kritik, die ich für falsch halte". Der frühere Bundeskanzler war nach seiner bekannt gewordenen Nominierung für den Posten vielfach kritisiert worden. Schulz hatte sich am Dienstag bereits veranlasst gesehen, auf Distanz zu gehen.

Keine Auftritte von Schulz mit Schröder

Bei den Sozialdemokraten herrscht Sorge, dass durch die Debatte über Schröders Ambitionen ihre Bemühungen geschwächt werden, im Bundestagswahlkampf über Inhalte eine Polarisierung zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer zu erreichen. "Es waren und sind keine Veranstaltungen mit Martin Schulz und Schröder geplant", teilte die SPD mit.

Schröder sagte, er sei sich bewusst gewesen, dass seine Berufung Anlass für Debatten geben werde, habe jedoch nicht "mit dieser Einseitigkeit" in der Berichterstattung gerechnet: "Es ist eine politische Kampagne zugunsten von Frau Merkel. Man will ihr über die Diffamierung meiner Person helfen." Für den Aufsichtsratsposten rechnet Schröder mit einem Salär von 350.000 US-Dollar, was rund 300.000 Euro entspräche: "Zudem fallen die deutschen Steuern an."

Die Union warf Schulz vor, sich nicht klar genug distanziert zu haben. Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", die Mitwirkung eines früheren Bundeskanzlers bei Rosneft sei "alles, nur keine Privatangelegenheit". Schulz könne die SPD vor den Folgen des Fehlverhaltens ihres früheren Bundeskanzlers nur schützen, indem er es klar benenne. "Dass Schulz kneift, ist Ausdruck seiner Führungsschwäche", sagte Röttgen. CSU-Chef Horst Seehofer sagte dem Blatt: "Das Ganze hat ein Geschmäckle, weil private wirtschaftliche Interessen und Politik vermischt werden."

Quelle: n-tv.de

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